Der Prinz und die Fee
von Karin Lehmann

Tief im Wald wo nur Zauberer, Elfen und Feen wohnten, stand eine kleine Hütte. Sie war mit Efeu umwachsen, so dass niemand sie sah.
Zwei große Tannen beugten sich schwer über den Eingang der Hütte. Unter den Tannen breitete sich ein Fliederbaum aus. Er war sehr vertrocknet, hatte aber starke Äste, als wollte er die beiden großen Tannen stützen.
Neben der Eingangstür stand eine alte Holzbank. Zusammengekauert, saß dort eine Fee, Namens Kaja. Sie war nicht mehr jung, aber doch noch sehr ansehnlich für ihr Alter. Traurig schaute sie in den Himmel. Eine kleine Träne kullerte über das noch immer schöne Gesicht. Ihre Augen, die einmal wie zwei Sterne glitzerten, zeichneten das Leid ihres Lebens wieder. Plötzlich zog sich ein kleines Lächeln über ihren Mund. Eine Wolkenkutsche raste wie eine Sternschnuppe durch den blauen Himmel. Aus der Kutsche beugte sich ein Prinz und er ließ aus seiner Hand viele tausend Sterne über ihr Haus fallen. Es leuchtete als wäre alles aus Gold. Die Fee wischte sich die Tränen aus den Augen und winkte dem Prinzen zu. Schnell holte sie einen kleinen Stoffbeutel aus ihrer Tasche und fing einige Glitzersterne damit auf. Als der letzte Stern im Beutel war, verbarg sie ihn, hinter einen großen Stein am alten Brunnen.

Erleichtert setzte sie sich wieder auf die Bank. Sie öffnete ihre Hand und dort lag ein kleiner Stern, er glitzerte und funkelte, sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Kaja drückte den Stern gegen ihre Brust. Im selben Augenblick wurde es ringsherum warm und der Fliederbaum erblühte. Der Stern verschwand in ihrer Brust und die Fee atmete erleichtert auf. Er gab ihr die Kraft, eine Weile weiter zu leben und mit ihrem Schicksal fertig zu werden.

Vor eigenen Jahren war sie noch eine wunderschöne Fee. Alle Elfen- und Feenprinzen warben um ihre Gunst. Sie aber wartete auf Einen, der sie wahrhaftig und ehrlich liebte. Die meisten waren überheblich, eingebildet und liebten nur sich, oder Geld. Sie sehnte sich nach einer großen und erfüllten Liebe. Ihre Eltern machten sich Sorgen, denn alle Feen in ihrem Alter hatten schon einen Prinzen. Nur die kleine Kaja, war immer noch allein. In ihrem Zimmer weinte sie oft bittere Tränen. Auch sie hatte Sehnsucht nach einem Traummann, der sie liebte und in seine starken Arme schloss.

Eines Tages träumte sie, dass sie über die Blumenwiese, vor ihrem Haus spazieren ging und an einem alten Brunnen verharrte. Kaja setzte sich auf den Rand des runden Mauerwerkes und schaute in das Wasser. Es war so dunkel, aber manchmal glitzerte es, als wäre das Wasser aus Gold. Mit ihrer Hand griff sie ins Wasser. Plötzlich wurde ihr ganz warm und sie hörte eine Glocke. Jedes Mal wenn diese schlug, war es, als würde jemand ihre Hand streicheln. Sie erschrak und zog die Hand aus dem Wasser.
Da erklang eine Stimme: „Fürchte dich nicht.“
Die Fee starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Wasser, doch sie erwachte und der Traum war zu Ende.
In den nächsten Nächten träumte sie wieder das Gleiche und immer wenn sie die Worte vernahm und auf das Wasser starrte, wachte sie auf. Doch in einer Nacht aber, war es etwas anders.
Die Stimme sagte: „Komm zu mir, wenn es dunkel ist, dann können wir uns unterhalten“, aber sie wurde gleich darauf wieder wach. Sie lag mit offenen Augen in ihrem Bett und überlegte, was der Traum wohl zu bedeuten hatte. Aber es gelang ihr nicht. Am Frühstückstisch, war sie in Gedanken versunken, als sie die Worte ihres Vaters vernahm. Er redete über einen Brunnen, der verwunschen sein soll. Sie war hellwach und fragte nach, was es denn mit diesem auf sich hat. Die Mutter winkte ab und sagte, es wäre nur ein böses Märchen, was sich die Leute im Dorf erzählten. Kaja aber ließ nicht locker und bat ihre Eltern, ihr davon zu erzählen.

Der Feenvater erzählte, ein Prinz, Namens Daniel, war mit seinem Gefolge auf der Jagd, als sie auf diesem besagten Brunnen stießen. Das Wasser war glasklar. Die Jagdgesellschaft wollte dort eine Rast einlegen, etwas ausruhen und ihren Durst löschen. Der junge Haudegen aber, trieb zur Eile. Er nahm keine Rücksicht auf seine Leute, die alle sehr müde und durstig waren. Daniel dachte immer nur an sich, wollte nur kurz von dem frischen Wasser kosten und die Meute weiter durch den Wald hetzen. Als er sich zum trinken über den Brunnenrand lehnte, zog ihn eine unsichtbare Kraft in das Wasser. Eine schwarze Brühe schwappte über seinen Kopf zusammen und zog ihn hinunter, in den dunklen Abgrund. Entsetzt starrte die Jagdgesellschaft auf die, jetzt dunkel gefärbte Flüssigkeit.
Da ertönte eine tiefe, schauerliche Stimme: „Wer immer nur an sich denkt, muss im tiefen Brunnengrund verharren, bis eines Tages eine schöne Fee kommt, die bereit ist, ihn zu erlösen. Aber nur wenn sie ihn liebt und bereit ist, ihm ihre Jugend zu schenken.“
„Wenn auch er die Liebe spürt, werde sie sich kurz sehen können“. Eine Totenstille trat ein. Alle waren zutiefst erschrocken, verließen diesen Ort und wurden nie wieder gesehen.

„Oh je“, Kaja erschrak und schluchzte. „Der arme Prinz“.
„Ja, genau so soll es gewesen sein“, sagte der Feenvater und schaute in das entsetzte Gesicht seiner Tochter.
„Jetzt hast du das Kind völlig verstört“, schimpfte die Mutter.
„Nein, nein macht euch man keine Sorgen“, sagte die kleine Fee Kaja und lief in ihr Zimmer. Sie legte sich auf ihr Bett und dachte über die Worte ihres Vaters nach. „Sollte das vielleicht etwas mit ihrem Traum zu tun haben? Wo war eigentlich der Brunnen? Sie musste ihn finden.“

Am nächsten Tag, im Morgengrauen, als alle noch schliefen, machte sie sich auf den Weg. Die Unglückliche war schon den ganzen Tag unterwegs, als ihr am Feldrain ein alter Mann begegnete. Er hatte einen langen Bart, stützte sich auf einen Wanderstock und versuchte einen alten lumpigen Beutel zu öffnen.
„Kann ich dir vielleicht helfen?“, fragte die Fee. Doch da fiel der Beutel, des alten Mannes auf den Boden und riss auseinander. Der Mann starrte erschrocken auf den leeren Inhalt, setzte sich auf einen Stein und weinte.
„Was ist mit dir?“, fragte die Fee wieder.
„Ich hatte meinen letzten Brotkanten im Beutel, aber er muss mir heraus gerutscht sein und jetzt hab ich nichts mehr zu essen.“ Die gute Kaja holte ein Tuch aus ihrer Tasche, wo sie sich für den Weg ein Stück Kuchen eingewickelt hatte und reichte ihm den Alten.
„Hier iss, ich brauche ihn nicht, hab genug heute früh gegessen.“
Der Alte freute sich und aß den Kuchen. Als er gesättigt war, fragte er die kleine Fee wohin denn ihr Weg führt. Sie erzählte ihm von den verwunschenen Brunnen.
Der Alte schaute ihr entsetzt ins Gesicht und meinte: „So ein warmherziges Mädchen sollte lieber nicht nach solch einen Brunnen suchen.
Die Fee Kaja, aber flehte ihn solange an bis der Alte sagte: „Ich kenne den Brunnen und werde dir den richtigen Weg weisen. Du bist sicher die Auserwählte, aber bedenke es wird dein Leben zerstören.“
Kaja aber bettelte weiter und so erfuhr sie, dass der Brunnen nicht weit von ihrem Elternhaus, mitten im Tannenwald auf einer Lichtung stand. Sie bedankte sich, gab den Alten ihre Goldkette, die sie von ihrer Großmutter bekommen hatte.
„Verkaufe sie und du kannst davon sehr lange leben“, sagte sie noch und lief eilig davon.
„Nein, nein, nicht diese Kette“, rief der Alte noch hinterher, aber da war sie schon verschwunden.

Traurig und mit schweren Schritten ging der Alte seinen Weg. Die Kleine rennt in ihr Unglück, jammerte er und Tränen liefen ihm über sein altes, zerknittertes Gesicht.
Kaja lief und suchte, bis sie den Brunnen gefunden hatte. Von ihrem Schloss aus war es wirklich nicht weit. Ein zugewachsener Weg führte zu dem gesuchten Bauwerk. Es hatte schon sehr lange niemand mehr diesen Ort betreten.
Vorsichtig ging sie bis zum Brunnenrand und setzte sich auf diesen. Sie dachte an ihren Traum. Das Wasser war wirklich tiefschwarz, aber es glitzerte nicht. Sie beugte sich langsam vor und strich sanft mit den Fingerspitzen über das Wasser. Nichts passierte, das Wasser war eiskalt. Stundenlang saß sie so am Brunnen. Erschöpft und müde ging sie nach Hause. Tag für Tag ging sie jetzt an diesen Platz, aber es passierte nichts.

Die Zeit verging und ihre Eltern pochten auf eine Hochzeit. Seit Wochen hatten sie Besuch von einem jungen Prinzen. Er hatte es auf die Fee abgesehen. Was sie nicht wussten, er wollte die Kaja nur heiraten, um in die Feengemeinschaft zu kommen. Es war die Angesehenste weit und breit. Diese kam ihm dabei gerade recht. War sie doch das lieblichste Wesen im ganzen Land. Er aber nahm es mit der Treue nicht so genau. Die schöne Jungfrau aber, war so niedergeschlagen, weil sie nur an ihrem Brunnen saß und die Welt um sich herum vergessen hatte. Sie fügte sich ihrem Schicksal und dachte den Eltern einen Gefallen zu tun, wenn sie den Prinzen ehelichte. Gab es doch für sie keinen anderen Ausweg mehr, jemals den Prinz Daniel zu finden.

So heiratete sie, an einem stürmischen Tag, den Lotria, den ihre Eltern als Ehemann an ihre Seite sehen wollten. Das steht unter keinem guten Stern, flüsterten einige Gäste und schauten dem Brautpaar mit gemischten Gefühlen hinterher. Die Fee schien alles über sich ergehen zu lassen. Auch nach der Hochzeit bemerkte sie ihn nicht an ihrer Seite. Er vergnügte sich mit anderen Feen und Prinzessinnen und war er mal zu Hause, behandelte er Kaja sehr schlecht und sperrte sie ein. lachte und machte sich lustig über seine Gemahlin.
Ihre Eltern merkten nichts und waren glücklich. Die kleine Fee sagte auch nichts, um sie nicht traurig zu machen.
Doch jede Nacht schaffte sie es, sich aus dem Haus zu schleichen, um zum Brunnen zu gegen. Hier war sie glücklich, aber warum es so war, wusste sie nicht. Wenn sie dann nach Hause kam, konnte sie nicht mehr einschlafen und grübelte. Endlich fiel sie in einen unruhigen Schlaf und träumte, sie lief durch den Wald, die Tannen zerkratzten ihr die Arme, der Wind war eiskalt und Regen peitschte ihr ins Gesicht.
Da hörte sie eine Stimme. „Komm wenn es dunkel ist, dann können wir uns unterhalten, warte bis das Wasser glitzert, dann rufe dreimal meinen Namen.“
Abrupt erwachte sie aus ihrem Traum und zitterte noch am ganzen Körper. Diese Stimme, sie erinnerte sich wieder, diese hatte sie schon einmal gehört. Sie kam aus den Brunnen. Damals, ihre immer wieder kehrenden Träume. Ja, das war genau die Selbe.

Die Turmuhr schlug gerade Mitternacht, als sich Kaja auf den Weg machte. Es war stockdunkel. Ein Käuzchen schrie und überall knisterte und knackte es. Sie hatte keine Angst. Tapfer ging sie durch den dunklen Wald. Sie kam an die Lichtung und sah schemenhaft den Brunnen. Endlich, dachte sie und setzte sich auf den kalten Rand. Oh, staunte sie. Das Wasser spiegelte sich wie Gold in ihren schönen Augen. Es glitzerte und funkelte. Vorsichtig tauchte sie ihre Hand in das feuchte Nass. Im selben Augenblick fuhr eine wohlige Wärme durch ihren ganzen Körper und jemand schien ihre Hand zu streicheln. Es war wunderschön und so verharrte sie eine ganze Weile. Sie dachte an die Worte.
Leise flüsterte sie: „Daniel, Prinz Daniel, hallo Daniel bist du da?“ Wieder strich ihr etwas über die Hand.
„Hallo du Verwunschener“, antworte mir.
„Ja ich bin hier, erklang es aus der Tiefe.“ Das Wasser schien sich leicht zu bewegen und eine Glocke schlug leise.
„Ich bin es, Kaja“, sagte die Fee, „lange hab ich nach dir gesucht und endlich hab ich dich gefunden.“
Die ganze Nacht redeten sie miteinander. Das schöne Mädchen war glücklich. Jede Nacht machte sich die Fee auf den Weg um bei ihren Prinzen zu sein. Eines Tages erzählte er ihr, dass eine undurchsichtige Glaswand sie trennte, aber, dass starke Gefühle sie durchbrechen könnten und man kann es dann auch spüren. Ja, sie fühlten füreinander, aber es war ihnen noch nicht bewusst. Nur sehen konnten sie sich nicht.

Die Fee Kaja blühte auf und ward wunderschön und lieblich. Ihre Eltern freuten sich über ihr Kind und dachten es war ihre Ehe mit dem unehrlichen Prinzen, die ihr so gut tat. Der Lebemann aber trieb sich weiter im Land herum, verschwendete das Geld der Fee und kümmerte sich nicht um seine Frau.
Eines Nachts, als Kaja wie immer, mit ihrer Hand das Wasser streichelte, wurde es plötzlich ganz klar und sie erblickte ein Gesicht im Wasser. Es war ein wunderschöner Jüngling. Er lächelte und aus seinen Augen kam ihr die ganze Liebe zugeflogen.
„Daniel, flüsterte sie, ich kann dich sehen.“ Es blieb still.
Doch dann antwortete er: „Ich sehe dich auch Kaja. Was bist du für eine wunderschöne Fee.“ Sie konnte nichts mehr sagen ihre Stimme zitterte und bebte, als sie reden wollte, war das Wasser plötzlich wieder schwarz und undurchsichtig. Von diesem Tag wuchs ihre Liebe füreinander, aber nie wieder konnten sie sich sehen. Nacht für Nacht saß sie bei ihm am Brunnen und sie tauschten sich leidenschaftliche Worte aus. Die Sehnsucht wurde größer und größer, aber es änderte sich nichts an ihrer misslichen Lage.

So verging ein Jahr. Eines Tages sagte die Fee Kaja zu ihren Vater, dass sie einen Wunsch hätte. Sie würde sehr gern ein kleines eigenes Haus haben. Der Vater konnte seiner Tochter keinen Wunsch abschlagen und ließ ein kleines Haus, direkt neben den Brunnen bauen. Er hatte schon gemerkt, dass in der Ehe etwas nicht in Ordnung war, auch das Gesinde redete darüber. Ihren Ehemann war es egal, er war kaum noch zu Hause. Endlich konnte die Fee jede Nacht bei ihrem Prinzen sein und musste nicht mehr durch den Wald laufen. Leider wurde es nicht besser, denn die Sehnsucht einander zu sehen und sich in die Arme zu nehmen wuchs ins Unendliche. Wie oft weinte sie und viele Tränen waren schon in das Brunnenwasser gefallen.

Voller Sehnsucht nach ihren Lieblingsprinz wusste sich die Fee nicht mehr zu helfen und wollte den alten Mann suchen, der ihr den Weg zum Brunnen gezeigt hatte. Tagelang irrte sie durch den Wald. Erschöpft ließ sie sich am Wegrand nieder und weinte. Sie dachte an ihren Geliebten und wollte schon zurück, als sie an einer Eiche einen Zwerg erblickte.
Der schaute sie mitleidig an und sagte, „Ich weiß was du suchst. Der alte Mann ist nicht mehr hier, er musste nach seiner Familie um seiner kranken Frau zu helfen. Weil du ihm so großzügig geholfen hast, hat er mich damit beauftragt, falls du eines Tages kommst, da du die Auserwählte bist, dir die Lösung des Geheimnisses anzuvertrauen. Obwohl er nicht dein Unglück will und für dich gehofft hat, wusste er dass du kommen würdest.“
Der kleine Mann sprach weiter: „In einer Gewitternacht, punkt zwölf Uhr, musst du beide Handflächen auf das Wasser legen und die Worte sprechen, -Ich will dich erlösen und dir meine Jugend schenken, komm zu mir.- Wenn es blitzt und du einen Stern in der Hand hast, dann halte ihn ganz fest und drücke ihn an deine Brust. Doch du sollst auch erfahren, der Prinz weiß nicht, dass du ihm deine Jugend geben musst, für seine Erlösung. Er hat dich nur einmal kurz gesehen, so wie du jetzt bist. Bedenke diesen Schritt gut.“
Sie bedankte sich und mit schweren Schritten machte sie sich auf den Heimweg. Endlich würde sie ihn in ihre Arme schließen können. Aber würde er sie noch lieben, so wie er es ihr immer gesagt hatte, ohne ihre Jugend. Sie war eine gute Fee und wollte ihn erlösen. Auch wenn sie nur einmal kurz seine Nähe spüren, seine Worte an ihrem Ohr hören und ihn fühlen durfte. Dafür war sie bereit. War er auch dazu bereit. Er hat sich doch auch gesehnt, ihre Worte in sich aufgenommen, gefleht sie zu sehen. Er hat ihre starken Gefühle kennen gelernt und gespürt. Würde er auch im Stande sein, sie, denselben Menschen zu lieben, nur ohne Jugend. Er wusste es ja nicht. Egal, sie hat bis jetzt auf Liebe verzichten müssen, für diesen kurzen Augenblick in seine Arme würde sie ihm die Freiheit schenken.

Einige Tage waren vergangen, da zog ein starkes Unwetter auf. Es donnerte und blitzte, als wollte die Welt untergehen. Es war kurz vor Mitternacht und Kaja saß zitternd am Brunnenrand. Sie wusste was sie heute tun musste. Denn wenn der neue Tag anbricht, sollte Alles stimmen und ohne Sorgen sein.
Sie legte beide Handflächen auf die Wasseroberfläche. Das Wasser schien zu brodeln. Es schlug Zwölf. Ein starker Blitz fuhr durch die Nacht und schien alles in einen grellen Schein zu färben. Sie sprach die Worte und plötzlich hielt sie einen warmen Stern in ihre Hände. Den drückte sie an ihr Herz. Die Zeit schien stillzustehen. Eine unheimliche Ruhe lag in der Luft. Plötzlich spürte sie zwei starke Arme die sie festhielten und eine Stimme flüsterte, Fee, Fee immer wieder Fee. Mein Prinz, sagte sie mit Tränen in den Augen. Sie hatte das Gefühl, ihr Herz würde aus der Brust springen. Sie küssten sich sanft und zärtlich. Dann schaute er sie an. Sein Blick wurde starr. Er schob sie mit solcher Wucht von sich, dass sie stolperte.
„Wer bist du?“ „Ich bin Fee, antwortete sie verstört.“ „Du bist nicht Fee. Sie ist jung und schön.“
„Ich bin deine Fee“, sagte sie flehend. Aus meinem Mund hörtest du die Worte, die du so sehr mochtest: „Ich liebe dich.“
„Nein schrie er“, drehte sich um und lief davon. „Fee, Fee wo bist du?“, hörte sie noch lange sein Rufen, doch irgendwann verstummten auch diese Schreie.

Langsam, kaum fähig noch zu laufen, ging sie ins Haus. Vor den großen Spiegel blieb sie stehen. Eine Frau schaute sie an, die sie nicht kannte. Plötzlich wusste sie wer diese Frau war. „Das bin ich, schluchzte sie.“ Weinend brach sie zusammen. Nein sie war nicht hässlich, aber viel älter. Wochen vergingen. Ihre Träume und Wünsche mussten nun sterben. Wie eine zarte Blume im Eis, es war alles erfroren. Nur die Erinnerung ist das einzige Paradies das sie noch hatte. Selbst ihre Eltern haben sie nicht wieder erkannt und suchten in der ganzen Welt nach ihrer Tochter.
Oft saß die Fee Kaja am Brunnenrand und starrte in das Wasser. Ihr schlug eine unheimliche Kälte entgegen. Ihre Augen waren leer geweint. Für einen kurzen Augenblick nur durfte sie glücklich sein.
„Warum, was hab ich getan?“, flüsterte sie. „Hätte ich ihn doch hier gelassen, bei mir, dann wäre ich glücklich und könnte mich jede Nacht mit ihm unterhalten.“

Eines Tages klopfte es an ihrer Tür. Sie öffnete. Es war der alte Mann, der ihr damals den Weg gezeigt hatte. Traurig schaute er ihr ins Gesicht.
„War es das wert?“, fragte er.
Sie nickte und sagte, „Ja das war es“, ich muss jetzt damit weiter leben.
„Warum bist du hier alter Mann?“, fragte sie.
„Ich bringe dir deine Kette wieder“, antwortete er.
„Wieso“, ich hab sie dir geschenkt.
„Nein“ dieses Geschenk, konnte ich nie als das Meine ansehen. Ich kannte deine Großmutter und wusste vom Wert dieser Kette. Sie sollte dich beschützen und Glück bringen. Jetzt kannst du sie brauchen“. Er lächelte.
„Weiß du wo der Prinz ist“, fragte sie. „Ja“, sagte er und setzte sich an den Tisch.
„Lange hat er seine Fee gesucht aber nie gefunden“.
Er redete weiter.
Vor vielleicht drei Wochen, klopfte er auch an meine Tür und fragte nach einer schönen Fee. Ich bat ihn herein und erzählte ihm die ganze Wahrheit. Er hat bitter geweint und gesagte: “Ich liebe nun mal die junge Fee.“
Der Alte meinte: „Aber ihre Augen und ihre Worte, die du in dir aufgenommen hast, sind doch die von der Fee, die vor dir stand, auch die zärtliche Umarmung und der Kuss, die Sehnsucht, die du gespürt hast. Was spielt das Alter für eine Rolle, wenn du die wahre Liebe gespürt hast? Geh zu ihr und lebt euer Glück, solange es geht. Sie wartet auf dich, jetzt hilf du ihr.“
„Ich kann nicht, antwortete er, aber ich werde versuchen ihr zu helfen.“ Dann ist er gegangen und hat noch gesagt, auf dieser Erde werde ich meine Fee nie wieder finden.
Tagelang hab ich ihn noch gesehen, wie er am Fluss saß und ins Wasser starrte. Dann kam eine Wolkenkutsche. Der Prinz kletterte hinein und er ward verschwunden. Eines Tages jedoch traf ich den Zwerg im Wald. Er erzählte mir, dass der Prinz im Wolkenschloss wohnte, aber immer noch allein war. Dieser hatte ihn besucht. Sie haben über dich gesprochen Kaja. Der Prinz sagte, er hätte dich gesehen, als er eines Tages mit der Wolkenkutsche über dein Haus geflogen ist. Du hast vor deinem Haus auf der Bank gesessen und sahst sehr traurig aus. Das tat ihm sehr weh. Er kann dir nicht die Sonne schenken, aber ab und an einmal einige Lebenssterne über dein Haus werfen, damit du nicht so sehr unglücklich bist und das Leben etwas erträglicher wird. Er meinte, du sollst sie fest an dein Herz drücken, dann bist du nicht mehr so traurig. Dann verabschiedete sich der Alte und ging.

Einige Tage später, als die Fee Kaja, auf der Bank saß und in den Himmel schaute, geschah es das der Prinz mit seiner Wolkenkutsche kam und Lebenssterne über ihr Haus streute. So ging es nun schon eine ganze Zeit lang.
Eines Nachts hatte sie wieder einen sonderbaren Traum. Ihre Großmutter stand vor ihr und sagte: „Gib mir bitte die Kette“.
Sie reichte ihr die Kette und dann wachte sie auf. Von diesem Tag an war die Kette wirklich verschwunden. Ich hab sie sicher irgendwo verloren, dachte die Fee.
Doch dann geschah es, dass die Kutsche des Prinzen, vor dem Haus hielt. Der Prinz stieg aus, ging zum Brunnen und setzte sich auf den Rand. Die Fee Kaja erstarrte und fasste nach ihrem Herz. Langsam näherte sie sich dem Brunnen und setzte sich neben ihn. Lange Zeit schwiegen beide. Dann fasste der Prinz Daniel beide Hände seiner Erlöserin und schaute in ihre Augen. Gestern Nacht war eine alte Frau bei mir und überreichte mir diese Kette.
Sie sagte: „Bitte bring sie deiner Fee.“ Als sie mir die Kette in die Hand legte, wurde mir ganz warm ums Herz und ich hatte große Sehnsucht nach dir.
Aus Kajas Mund kam ein kleiner Schrei: „ Das ist meine Kette!“

Fee, mein liebes Feechen, ich möchte das du mit mir kommst, in mein Wolkenschloss. Der Prinz Daniel nahm seine Fee auf den Arm und trug sie in die Wolkenkutsche.
„Daniel was tust du, ich bin doch viel zu alt für dich“, rief sie entsetzt. Der Prinz verschloss ihren Mund mit einem langen Kuss. Die Fee schmiegte sich an ihn. Tränen kullerten aus ihren Augen, sie konnte jetzt nichts mehr sagen. In der Kutsche legte er ihr die goldene Kette um den Hals. Plötzlich wurde es ganz hell und viele Sterne fielen vom Himmel und hüllten die Kutsche ein.
Dann geschah das Wunder und eine dunkle Stimme flüsterte: „ Du hast sie geliebt wie sie jetzt ist und darum soll sie ihre Jugend zurückbekommen!“
Daniel starrte seine Fee fassungslos an. Sie war wieder die junge Fee, in die er sich verliebt hat. Sie fielen sich beide in die Arme und weinten vor Glück. Meine Feenprinzessin flüsterte der Prinz. Jetzt fahren wir ins Märchenland und du wohnst mit mir im Wolkenschloss. Sie bekamen viele kleine Feen und Prinzen und lebten glücklich und zufrieden und wenn sie mit ihrer Wolkenkutsche durch den Himmel flogen, streuten sie überall dort Sterne wo es unglückliche Menschen gab.

 

 

Ferien zu verkaufen

von Karin Lehmann

 

Es war an einem ganz normaler Morgen, als Mina sich am Frühstückstisch rekelte und verträumt in die Sonne
schaute, die sich schon mit aller Macht durch das Fenster schlängelte. Sie hatte heute überhaupt keine Lust auf Schule. Lieber würde sie auf den Rummel gehen, der seit gestern, in ihrem kleinen Dorf auf dem Anger stand. Mutti sagte, Mina träume nicht, du musst los. Pack dein Frühstück ein und dann ab mit dir, sonst kommst du noch zu spät. Mina erhob sich lustlos. Mutti gab ihr noch einen Kuss, dann schlug die Tür hinter ihr zu. Ihre kleine Schwester Finchen stand am Fenster und winkte ihr hinterher. Aber dass sah Mina nicht mehr, gelangweilt schlenderte sie die Straße entlang. Nicht mal Tia war zu sehen, jetzt muss ich auch noch alleine gehen, dachte sie ärgerlich. Wütend stieß sie mit den Fuß gegen einen Stein. Peng, machte es. Oje, das war das Fenster vom Bäckermeister Pinke. Schnell weg, dachte sie und war schon um die nächste Ecke. Sie hastete über den Rathausplatz und versteckte sich im nächsten Hauseingang. Hier konnte sie niemand mehr entdecken. Ihr kleines Herz raste und schlug, als würde es aus dem Hals springen. Puh, dachte sie nach einer Weile, ist ja noch einmal gut gegangen! Sie spähte über die Straße. Kein Mensch war zu sehen. Wow, da ist ja der Rummel, kam es freudestrahlend aus Minas Mund, der vor Erstaunen offen stand. Nur einen kurzen Blick, dachte sie und schon rannte sie los. Mitten auf dem Rummel blieb sie stehen. Sie drehte sich im Kreis. Ist das schön hier. Oh könnte das doch meine Freundin Tia sehen. Plötzlich blieb sie abrupt stehen. Alles ist so still, kein Rad drehte sich, kein Kindergeschrei. Ach so, es wird ja erst am Nachmittag geöffnet, sagte sie etwas erleichtert. Schade, kam es aus ihrem Mund. Ich werde eben heute Nachmittag noch einmal hier her kommen, dachte sie und wollte schon gehen, als sie plötzlich ein kleines verschnörkeltes Häuschen entdeckte. Ist das aber schön, staunte sie. Langsam ging sie näher heran. Was war denn das? Ein großes Schild ragte über das Häuschen. Mina dachte das kann doch nicht sein! In großer Schrift stand dort
„ Ferien zu verkaufen“
Das gibt es doch gar nicht, aber dort stand es, direkt vor ihren Augen und in großen Buchstaben. Meine Güte, das ist genau, dass was ich jetzt brauche murmelte sie erstaunt. Ich muss unbedingt wieder hier her kommen. Schnell rannte sie los um noch einigermaßen pünktlich in die Schule zu kommen. Am Nachmittag hatte sie es sehr eilig. Den Ranzen in die Ecke geschleudert, die Jacke hinterher und schon fiel die Haustür hinter ihr ins Schloss. Sie hatte nur eins im Sinn und das war der Rummel. Hier war auch schon der Teufel los, aber das Alles sah Mina nicht. Sie dachte nur an das kleine Häuschen und an die Ferien, die sie sich kaufen wollte. Da ist es! Uh, endlich. Sie atmete erleichtet auf. Prustend stand sie vor der kleinen Holztür. Erst einmal kurz Luft holen und dann drückte sie die verschnörkelte Klinke herunter. Knarrend öffnete sich die Tür. Es war sehr dunkel. Sie blinzelte mit den Augen. Nur herein in mein kleines Reich, hörte sie eine Stimme, die ihr etwas Schauer über den Rücken laufen ließ. Da sah sie eine Gestalt. Eine alte Frau, saß gebeugt an einem kleinen wackeligen Tisch. Komm tritt näher, zwitscherte sie süßlich. Aber ich wollte doch nur, stotterte Mina ängstlich. Ich weiß was du willst, was alle hier wollen, die zu mir kommen, lachte sie schallend. Mina trat einen Schritt zurück. Hab keine Angst flüsterte sie süßlich. Komm, komm näher. Setz dich! Mina setzte sich und starrte die Frau an. Sie war Uralt,
mindestens 1000 Jahre, dachte sie. Dick und unförmig, saß sie ihr gegenüber. Ihre lange Nase ragte über den verzerrt, lächelnden Mund. Eine dicke Warze, mit einem langen Haar zierte ihre linke Wange. Aus ihren Augen schienen Funken zu sprühen. Mina schüttelte sich angewidert. Ein Kopftuch verdeckte ihr dünnes, zotteliges Haar. Ihre fleischig, dicken Finger, waren mit glitzernden Ringen übersät. Immer wieder strich sie über ihren schmuddeligen Rock und dabei fixierte sie Mina mit ihren stechenden Blick. Du willst von mir Ferien kaufen, fragte sie etwas streng. Naja, ja stotterte Mina. HA, ha, ha, ha, mein Geschäft blüht, lachte sie laut auf. Mina erschrak und sprang vom Stuhl. He, warte, warte nur, wollte dich doch nicht erschrecken mein schönes Kind. Mina zitterte. Ich will nach Hause dachte sie. Na gut, abgemacht, wie viele Ferientage willst du, fragte die Alte süßlich? Ich dachte einige Monate könnte ich schon gebrauchen, sagte Mina tapfer. Oh, das ist ja ein schwaches Geschäft. Na gut und was kannst du zahlen? Mina will in ihre Jackentasche greifen, wo sie die Geldbörse vermutete. Aber, oh weh, die Jacke lag zu Hause. Ich kann nicht, sagte sie. Was heißt du kannst nicht wetterte die Alte. Ich habe kein Geld. Das wird ja immer schöner. Umsonst gibt es hier nichts, merke dir das. Aber ich will ja, ich hab es nur vergessen, jammerte Mina. Ja, da kann man nichts machen und heute ist der letzte Tag, tut mir leid, da musst du wohl wieder gehen, sagte die Alte ärgerlich. Mina stand mit hängenden Schultern in dem schauerlichen Raum und eine Träne tropfte genau auf ihre Uhr. Die fing plötzlich an zu leuchten. Oh, was hast du denn für eine wundersame Uhr? Dafür würde ich dir ein paar Wochen verkaufen. Nein, stammelte Mina, die ist doch noch von meiner Oma und Mama hat sie mir erst geschenkt. Macht doch nichts, sagte die Alte und starrte gierig auf die Uhr. Na gut, sagte sie zögernd und streifte die Uhr von ihrem dünnen Handgelenk. Oh, wenn das Mutti wüsste dachte sie. Die ist wirklich sehr schön, gut abgemacht, aber nur vier Wochen sagte die Alte und ließ die Uhr, schnell in ihre schmuddelige Tasche verschwinden. Sie hob ihre knochigen Hände und rief, sarie, marie, farie, Ferien eiltet schnell herbei. Es knallte und blitzte fürchterlich und schon stand Mina wieder auf dem Rummelplatz. Es war muxmäuschenstill. Minas schaute nach allen Seiten. Es hat sich nichts verändert, nur das kleine Häuschen war wie vom Erdboden verschwunden. Geschafft, endlich Ferien. Hurra, rief sie laut und klatschte in die Hände. Sie hüpfte über den Rummelplatz, aber alles war menschenleer. Komisch, ich habe doch eben noch Kinder gesehen, ach egal. Die Musik spielte und das Karussell drehte sich einladend. Sie verbrachte den ganzen Tag auf den Rummel. Hunderte Male war sie mit alle Karussells gefahren, geschaukelt, gerutscht, viel Eis gegessen. Es kostete nichts, weil ja niemand hier war. Sie hatte keine Lust mehr. Ganz alleine macht es auch keinen Spaß. Der Bauch tat ihr entsetzlich weh, vom vielen Eis und schlecht war ihr auch, vom Karussell fahren. Ich gehe nach Hause. Mutti macht mir sicher einen warmen Tee, jammerte Mina und hielt sich den schmerzenden Bauch. Langsam schlich sie heimwärts. Als sie vor der Tür stand, klingelte und niemand öffnete, stellte sie mit entsetzen fest, dass sie auch keinen Wohnungsschlüssel hatte. Mama, Mama rief sie und hämmerte an die Tür. Vergeblich. Sie setzte sich auf die Treppe und weinte. Mit ihren kleinen Händen hielt sie sich ihren schmerzenden Bauch. Oma, jammerte sie, Mama ist bestimmt bei Oma. Sie lief los. Endlich stand sie vor Omas Haus. Aber irgendwie ist es anders. Die Fensterläden waren auch geschlossen. Sie klingelte und klingelte so lange bis ihr der Finger schmerzte. Niemand öffnete ihr die Tür. Ich habe Bauchschmerzen jammerte sie und mir ist ja so schlecht. Ich muss nach Tia, vielleicht kann sie mir helfen. Aber auch dort öffnete ihr niemand die Tür. Voller Entsetzen rannte sie zur Schule. Dort treffe ich bestimmt noch jemand an. Der Hausmeister oder die Putzfrauen sind sicher noch dort und können mir helfen. Prustend erreichte sie die Schule und öffnete die schwere Eingangstür. Wenigstens war die nicht verschlossen, dachte Mina erleichtert. Sie lief durch die langen Gänge und öffnete sämtliche Türen. Nichts, niemand war hier. Naja, kann ja sein, dass die auch alle Ferien gekauft haben. Aber das macht überhaupt keinen Spaß, wenn man so allein ist. Außerdem habe ich Bauchschmerzen und mir ist schlecht. Ich will keine Ferien mehr, rief sie wütend und stampfte mit ihren Beinen auf, dass es laut schallte. Es hat sich gerade so angehört, als würde jemand lachen. War da nicht gerade ein Schatten um die Ecke gehuscht? Sie hatte große Angst. Ich muss die Ferien wieder zurückgeben. Ich will auch meine Uhr zurück. Ich weiß nicht einmal wie spät es ist. Wieder zwickte ihr Bauch entsetzlich. Ich muss zurück zum Rummel. Sie machte sich auf den Weg. Nie werde ich mir wieder Ferien kaufen, jammerte sie vor sich her. Nach einiger Zeit stand sie wieder auf dem Rummel. Aber wo war das Häuschen? Sie drehte sich im Kreis. Ach, da ist es ja! Komisch, stand es nicht auf einer anderen Stelle und das Schild war auch weg? Na, ist jetzt auch egal. Sie klopfte zaghaft an die Tür. Eine freundliche Stimme rief, nur herein in meine gute Stube. Sie öffnete die Tür und betrat einen hellen freundlichen Raum. Oh, sagte sie und ihr Mund blieb vor Entsetzen weit auf stehen. Eine Frau kahm ihr lächeln entgegen. Es war eine Fee und sie sah ihrer Mutter etwas ähnlich. Komm setz dich und erzähl mir was dich in mein Reich führt, sagte sie mit sanfter Stimme. Sie fasste Minas Hand und geleitete sie zu einem Stuhl. Mina wusste überhaupt nicht was sie sagen sollte und ließ sich auf den Stuhl plumpsen. Ja, jetzt hatte sie sich etwas gefangen. Sie wollte keine Ferien mehr und ihre Uhr zurück. Ein paar Tränen kullerten über ihr Gesicht. Oh, weine nicht sagte die Fee und strich ihr übers Haar. Erzähl mir Alles vielleicht kann ich dir helfen. Wo ist denn die alte Frau, stotterte sie? Hier ist keine alte Frau, sagte die Fee und zwinkerte ihr aufmunternd zu. Mina begann zu erzählen. …..und nun bin ich hier, will meine Uhr wieder zurück und niemals wieder Ferien kaufen. Voller Erwartung schaute sie der Fee in die Augen. Diese runzelte ihre Stirn. Ich möchte dir ja so gern helfen, aber ich kenn die alte Frau nicht. Wie soll ich dir nur helfen, fragte die Fee und schaute Mina mittleidig an. Diese Augen, dachte Mina, genau solche Augen hat Mama. Jetzt brach alles aus ihr heraus und sie fing entsetzlich an zu weinen. Ich will keine Ferien und meine Uhr, wo ist meine Uhr.
Mina, Mina, jemand schüttelte sie sanft. Hier ist doch deine Uhr. Mina erschrak und schaute ihrer Mama ins Gesicht. Mama schimpfte etwas, du sitzt hier, starrst durch die Gegend und vertrödelst deine Zeit. Jetzt musst du dich aber wirklich beeilen, die Schule fängt gleich an. Heute gibt es Zeugnisse und dann hast du Sommerferien. So gut möchte ich es auch noch einmal haben, lächelte Mutti. Hier hast du etwas Geld und kauf dir etwas Schönes, sagte sie. Mina starrte ihre Mutti an, dann lächelte sie und sagte, ich brauche kein Geld Mama und die Ferien gibt es heute umsonst. Mina holte tief Luft und lächelte erleichtert. Sie gab ihrer Mama einen dicken Kuss und hüpfte zur Tür. Mama blickte, voller Sorgen, ihrer Tochter hinterher. Das Kind wird doch kein Fieber haben, murmelte sie und schüttelte den Kopf. Wird Zeit, dass es Ferien gibt, ich denke das Kind ist etwas überfordert. Komm Finchen, ich bringe dich in den Kindergarten sagte sie zu Minas kleiner Schwester, nahm sie auf den Arm und dann verließen beide das Haus.

 

 

 

Die verrückte Tier - WG

von Karin Lehmann



Am Waldrand steht ein kleines Häuschen. Dort lebte ein Mann, Namens Andy mit seinen Tieren. Es war an einem klirrend eiskalten Morgen, als sich Andy unter seiner dicken Bettdecke aalend streckte. Laut gähnend drehte er sich zur anderen Seite. Am Fußende neben dem Bett lag zusammengerollt ein großer Schäferhund, Vorsichtig blinzelte dieser zum Bett. Dann knurrte er zufrieden und steckte den Kopf unter seine Pfote. Plötzlich fing jemand an sehr laut zu schimpfen. Das gibt es doch gar nicht so eine faule Gesellschaft, will denn heute keiner aufstehen, schrie der Papagei Ronaldo. Ich habe Hunger, Hunger, Hunger krächzte er immer lauter. Das kann doch keiner mehr ertragen maunzte es aus einer Ecke des Zimmers. Ein weißer Kater mit schwarzen Streifen sprang von einem kleinen, rosa Plüschsofa herunter. Ein schillerndes Band glänzte an seinem Hals. Er setzte sich und leckte sein Fell. Dabei schimpfte er heftig. Herr Ronaldo, was fällt ihnen ein, müssen sie jeden Morgen das gleiche Theater veranstalten. Nie kann man hier ausschlafen, sie verfressener Papagei. Halt mal inne du gestreiftes, schillerndes Ungeheuer, Namens Oggy krächzte Ronaldo und schüttelte sein buntes Gefieder. Ich verbitte mir diese ungebildeten Worte aus ihrem Schnabel, Herr Ronaldo, entrüstete sich Oggy. Ich wünschte ihr würdet euch einmal vertragen rief Andy und sprang aus dem Bett. Der alte Hund Rex trottete seinem Herrchen hinterher. Als alle Haustiere versorgt waren und Rex noch laut schmatzend seine Schüssel leer leckte klopfte es zaghaft gegen die Tür. Was war den das schrie Ronaldo und hackte Oggy, der neben ihm saß, in den Schwanz. Miau ertönte es jämmerlich. Oggy sprang entsetzt hoch und landete direkt auf Rex seinen breiten Rücken. Rex schüttelte sich kräftig und Oggy fiel in Rex sein Fressnapf. Der Fressnapf flog samt Oggy durch das Zimmer und knallte gegen die Haustür. Diese sprang auf und siehe da, dort lag ein großes, rotes, dickes Etwas. Rex schnupperte an den verdreckten Haufen. Da fauchte es und zwei kugelrunde, aber sehr ängstliche Augen kamen zum Vorschein. Eine Katze, schrie Ronaldo und flatterte aufgeregt im Zimmer hin und her. Nein ich bin ein Kater, heiße Donny und bin sogar von Adel, maunzte Donny schüchtern. Das sieht man, sagte Oggy und leckte angewidert sein weiches Fell. Na dann komm mal rein, sagte Andy. Du hast sicher Hunger. Ich bin fast am Verhungern jammerte Donny. Dann sprang der dicke, verfilzte und dreckige Kater mit einem Satz bis in die Küche. Rex musste kräftig niesen und verkroch sich unter das Sofa. Donny fraß und fraß, er schien gar nicht satt zu werden. Ich glaube der Fette platzt gleich zwitscherte Ronaldo. Donny schlug sich mit der Pfote vor die Brust und rülpste laut. Ich bin tot müde maunzte er und sprang auf Oggy sein Plüschsofa. Oggy schien zu erstarren und jammerte. Womit habe ich das verdient, ich glaube ich falle gleich in Ohnmacht. Nein, ich ziehe aus. Sofort werde ich meine Sachen packen und diesen Ort für immer verlassen. Andy nahm Oggy auf den Schoß, streichelte und beruhigte ihn. Als Donny ausgeschlafen hatte steckte Andy ihn in die Badewanne. Donny protestierte laut miauend, aber es half nichts. Das Wasser war schwarz und Donny, man glaubt es kaum er sah toll aus. Sein rotes, dichtes Fell glänzte und schimmerte. Oggy schaute etwas neidisch und sagte, sie könnten vielleicht doch von Adel sein Herr Donny. Bin ich mein Kleiner, bin ich sagte er erhaben und zwirbelte dabei sein Barthaar. Rex setzte sich vor Donny, leckte dessen Fell und sagte, komm ich zeige dir unsere anderen Hausgenossen. Er trabte langsam voran. Donny rollte wie ein Kugelblitz hinterher und schnaufte laut. Sie gingen durch einen wunderschönen Wintergarten. Draußen war es schon ziemlich kalt und der Himmel war Schnee verhangen. Hier war alles schön grün und angenehm warm. In der Ecke, in einer kuscheligen Holzkiste lag ein brauner Hamster. Ein großes Schild stand davor, worauf stand. „Ich bin Richie der größte Künstler dieser Zeit es gibt keinen besseren weit und breit“ Rex bellte, he Richie wach auf, ich möchte dir Donny vorstellen. Der Hamster wischte sich seine Kulleraugen und schaute kauend auf Donny. Hallo Donny welche Freude hier an meiner Tür, hast du ein Geschenk dann gib es mir. Hast du keins verschwinde schnell sonst beiß ich dich in dein Fell. Warte nur, mein Herz jetzt spricht, bringst du Schmach dann hüte dich! Richie stellte sich auf seine kurzen Hinterbeine und drohte. Sei still Richie, bellte Rex wütend. Ich begrüße dich in meinem Reich sagte Richie erhaben zu Donny. Donny verneigte sich und sagte vielen Dank für die Ehre Herr Künstler. Richies Brust schwoll an, er stopfte sich eine Pfeife, dann ging er wild händeringend und gockelhaft durch den Raum. Rex flüsterte, der ist etwas durch geknallt weil ihn vor zwei Monaten seine Freundin verlassen hat. Sie gingen über die Terrasse und kamen direkt zum Hühnerzwinger. Das war ein Gegacker und Gepiepse. He, seit mal still bellte Rex. Das ist Donny, ein Kater von Adel. Auf der Stelle war Ruhe, denn alle hatten Respekt vor den alten Hund Rex, nur ein Kükchen piepte verzweifelt weil es alleine in der Ecke stand. Das sind Jakob und Adele mit ihrer Freundin Nele und ihre zwölf Kinder Lucie, Lore, Marie, Susi, Pinke, Pocke, Packe, Holli, Picki, Hähnchen, Listig und Flinki stellte Rex vor. Der Hahn Jakob rief, alles aufstellen zur Begrüßung. Sie flatterten und gackerten durcheinander. Willkommen in unserer WG, sagte Jakob. Ich freue mich euch kennen zu lernen maunzte Donny. Der Hahn flog auf die höchste Stelle vom Hühnerzwinger und brüstete sich für seine Familie. Laut krähend konnte man ihn noch stundenlang hören. Plötzlich sahen sie von Weiten eine Ratte. Sie saß an einem Teich und beobachtete drei Goldfische. He Walter, was machst du da schon wieder, bellte Rex. Die Ratte erschrak und schwups war sie verschwunden. Das muss ich Andy sagen knurrte Rex. Ich will nicht dass Walter ständig die Fische erschreckt. He, rief er den Fischen zu, wie geht es euch. Keine Angst Rex, antwortete ein Fisch mit Mütze und Brille. Walter kann uns nichts tun wir passen schon auf. Das ist Rudi, sagte Rex zu Donny, seine Schwester Rosi und sein Bruder Ronny. Sie sind Drillinge und müssen ohne ihre Eltern leben darum passe ich auf wie ein Lux, das den dreien nichts passiert. Plötzlich wurde es dunkel und ein großes Stinktier baute sich vor Donny auf. Was willst du denn hier, wetterte Stinkie und ehe sich Donny versah ergoss sich eine Ladung stinkendes Etwas über ihn. Donny machte vor Schreck einen Satz und landete laut miauen auf einen Mist berg. Stinkie lachte, setzte sich auf einen Stein und schlug die Beine elegant übereinander. Rex schimpfte, Stinkie was machst du denn. Na was ich immer mache wenn sich ein Eindringling nähert. Das ist Donny und er gehört jetzt zu uns. Oh, sagte Stinkie, aber es tut mir nicht leid. Das ist mein Parfüm Donny und damit habe ich dich begrüßt. Du wirst es noch lange merken. Er lachte und rannte davon. Donny und Rex gingen wieder ins Haus. Andy rümpfte die Nase und sagte du hast wohl schon Bekanntschaft mit Stinkie gemacht? Tut mir leid aber ich muss dich noch einmal in die Wanne stecken, oder du musst im Stall schlafen. Donny ließ sich noch einmal waschen, denn draußen war es schon mächtig kalt und er war froh so ein tolles Zuhause gefunden zu haben. Rex erzählte Andy von der Ratte Walter und Andy hatte eine tolle Idee. Er holte einen riesigen Weinballon aus dem Keller, füllte ihn mit Pflanzen und Steinen und stellte ihn in das Wohnzimmer. Er holte die drei Goldfische herein und setzte sie in den WeinballonRudi, Rosi und Ronny waren sehr stolz auf ihre neue Wohnung und tanzten den ganzen Tag im Wasser. Rudi wollte zum Dank seine Geschwister trainieren damit sie den dreifachen Wassersalto lernen. Sie üben jetzt jeden Tag. Bis zum Weihnachtsfest müsst ihr ihn können, sagte Rudi. Eines Tages fing es an zu schneien. Alle saßen am Fenster und beobachteten den Tanz der Schneeflocken. In ein paar Tagen ist Weihnachten, sagte Andy. Ich werde einen Weihnachtsbaum aus unseren Garten holen und ihr könnt schon einmal die Wohnung schmücken. Das war ein Durcheinander im Haus. Lichterketten wurden aufgehängt, Kerzen aufgestellt, Fensterbilder angeklebt. Andy stellte den Weihnachtsbaum auf. Oggy und Donny schmückten ihn mit Kugeln, Glöckchen, Lametta und Lichter. Richie und Ronaldo stellte die Weihnachtskrippe auf. Ab und zu musste Ronaldo am Weihnachtsbaum helfen und ein Glöckchen, oder eine Kugel anhängen. Rex lag zufrieden auf dem Teppich und passte auf das Alles seine Richtigkeit hat. Der Weihnachtsbaum sah toll aus, aber plötzlich fing es furchtbar an zu stinken im Raum. Alle schauten sich entsetzt an. Es wurde immer schlimmer. Andy musste die Haustür und das Fenster öffnen. Was ist das für ein ekeliger Gestank, maunzte Oggy und schielte nach Donny. Ich bin es diesmal nicht rief dieser, entrüstet. Da lachte jemand laut und Stinkie kam aus den Ästen des Weihnachtsbaumes gekrochen. Andy brachte den Baum mit dem ganzen Behang vor die Haustür und schimpfte Stinkie aus, denn der versucht immer wieder in die Wohnung zu kommen. Jetzt räumten sie alle Kisten in den Schrank und freuten sich über das festlich geschmückte Zimmer. Als sie zu Abend essen wollten sagte Oggy, es ist so still, irgendetwas fehlt. Rex der etwas eingenickt war erhob sich schwerfällig vom Teppich und schaute sich um. Es ist so ruhig hier. Wo ist Ronaldo fragte Donny? Richie ist auch nicht zu sehen maunzte Oggy. Das war eine Aufregung. Alles wurde durchsucht hinter jede Ecke geschaut, nichts. Plötzlich hörten sie leises Gejammer. Das kommt aus dem Schrank, sagte Rex. Sie öffneten den Schrank und in der Ecke stand ein Karton der sich mächtig bewegte. Als Andy den Karton öffnete lag Richie bibbernd vor Furcht im Karton. Er wimmerte, ich wollte doch nur ein kleines Nickerchen machen und dann war es stockdunkel als ich aufgewacht bin. Beruhige dich erst einmal ist ja nichts weiter passiert, sagte Andy. Oggy schüttelte den Kopf und sagte, Herr Richie ihnen als großen Künstler dürfte so etwas aber nicht passieren, ich bin total entsetzt, das hätte ich ihnen nicht zugetraut. Sei endlich still bellte Rex, hat jemand Ronaldo gesehen? Stille. Meine Güte sagte Andy und stürzte zur Tür. Er holte den Weihnachtsbaum herein. Alle starrten auf den Baum. Donny rief, Ronaldo! Nichts. Oggy maunzte plötzlich entsetzlich, da, da oben und zeigte mit der Pfote zu einer Kugel. Zwischen Kugel und Glöckchen saß Ronaldo und rührte sich nicht. Der ist tot, flüsterte Richie. Andy nahm Ronaldo in seine Hände. Er ist ganz kalt sagte Andy. Donny holte einen Haar föhn und mit der warmen Luft bearbeitete er Ronaldo solange bis er endlich seine Augen aufschlug. Er schaute in die Runde und sah überall entsetzte Gesichter. Ich denke es ist bald Weihnachten und ihr seht aus wie Trauerklöße, krächzte Ronaldo. Er schüttelte sein Gefieder und rief, ich habe Hunger vielleicht gibt es bald mal was zu essen. Sie ungehobelter Klotz, schimpfte Oggy, mit so etwas Undankbarem gebe ich mich nicht mehr ab. Das habe ich nicht nötig, münzte er und sprang auf sein Plüschsofa. Am nächsten Tag war endlich Heiligabend und vor der Tür lag dicker Schnee. War das eine Freude in der WG. Sie beschlossen einen Schneemann zu bauen. Er war prächtig anzuschauen, sehr dick und groß. Vor Freude veranstalteten sie eine Schneeballschlacht. Plötzlich rief Oggy, wo ist die Nase von unserem Schneemann, die Nase fehlt. Richie, bellte Rex jetzt böse. Richie steckte gerade den Rest von der Mohrrübe in den Mund und knabberte lächelnd weiter. Andy besorgte schnell eine neue Mohrrübe und alle waren
zufrieden. Danach fuhren sie mit ihren Schlitten und tobten noch etwas im Schnee. Endlich rief Andy zur Bescherung. Es wurde ein gemütlicher Abend. Sie sangen Weihnachtslieder und hörten dem Glocken Geläute zu. Die Fische hatten ihren Wassersalto gelernt und führten ihn vor. Sogar die Hühner hatten einen kleinen Weihnachtsbaum und frischen Salat. Jakob hatte extra seinen neuen Frack angezogen. Er sieht zum anbeißen aus meinte Adele und zwinkerte ihm ständig zu. Walter und Stinkie saßen gemütlich im Stall und plauderten über die gute alte Zeit. Als alle im Bett lagen flüsterte Donny, ich bin froh so eine Familie wie euch gefunden zu haben, ich möchte immer bei euch bleiben. Er streckte sich wohlig in seinem neuen Katzenkorb aus und schlief ein.
 

 

 

In unserem Garten wohnt eine Hexe

von Karin Lehmann



Luca wohnt mit seinen Eltern in einem kleinen Häuschen und einem wunderschönen Garten. Er ist sechs Jahre alt und geht schon in die große Gruppe des Kindergartens. Jeden Morgen holt er seine Freundin Lina ab, die direkt im Nachbarhaus wohnt. Dann gehen sie zusammen in den Kindergarten. Als Luca nach Hause kam rief er, Mama, Mama schau mal wir haben heute einen Garten gemalt mit vielen bunten Blumen. Das hast du toll gemacht, lobte ihn die Mama und gab Luca einen Kuss. Frau Zwirbel hat uns sehr viel über die Gartenpflege erzählt und das man immer schön das Unkraut herausziehen muss, damit die Blumen besser wachsen. Luca wurde plötzlich sehr ruhig und kuschelte sich an seine Mama. He, kleiner Mann was ist los, fragte sie? Wenn wir das Unkraut nicht richtig herausziehen, dann macht sich die Unkrauthexe im Garten breit und es kann nichts mehr wachsen, sagt Frau Zwirbel. Haben wir auch eine Unkrauthexe in unserem Garten, fragte Luca? So ein Quatsch schimpfte die Mama. Ich werde mal ein ernstes Wort mit deiner Frau Zwirbel reden. Unkrauthexen geben es nur im Märchen. Frau Zwirbel war nicht sehr beliebt bei ihren Mitarbeitern, weil sie manchmal sehr geheimnisvoll war. Aber die Kinder lernten viel bei ihr und sie war fröhlich und lieb zu den Kindern. Komm wir gehen in den Garten, sagte Mama. Sie fasste Luca an die Hand und ging mit ihm die Gartenwege entlang. Siehst du hier sind soviel Blumen.
In unserem Garten gibt es kein Unkraut und wenn etwas wachsen will, dann schwups reiße ich es heraus sagte sie und lachte laut. Luca klatschte in die Hände und hüpfte im Kreis herum.
Eines Tages bekam die Mama einen heftigen Schnupfen und hohes Fieber. Der Doktor sagte dass sie einige Tage im Bett bleiben muss. Luca stand am Fenster und starrte in den Regen. Zwei Tage regnete es schon und Mama konnte auch nicht mit ihm spielen.
Lina war übers Wochenende bei ihren Großeltern und Papa ist arbeiten. Oma hat auch keine Zeit, die kümmert sich um Mama. Mir ist so langweilig, maulte er unzufrieden. Oma strich ihm über den Kopf und sagte nachher basteln wir. Oh ja rief Luca und freute sich. Am nächsten Morgen wurde Luca wach als ihn ein Sonnenstrahl an der Nase kitzelte. Hatschi, Hatschi nieste er laut und sprang aus seinem Bett und rannte zum Fenster. Endlich die Sonne scheint jubelte er und hüpfte ins Bad. Am Nachmittag spielt er mit Lina im Garten. Sie bauten im Sandkasten eine Sandburg und schaukelten. Als Luca von der Schaukel sprang landete er direkt in Mama ihr geliebtes Tulpenbeet. Er rappelte sich auf. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen und rief, Lina, Lina schnell komm her. Er zeigte mit seinen kleinen Fingern in das Tulpenbeet. Was ist denn da ich sehe nichts, sagte Lina ärgerlich. Die Hexe, die Hexe murmelte er. Alles voller Unkraut. Lina klammerte sich an Luca. Wo ist sie ich habe Angst, flüsterte Lina. Ich sehe sie auch nicht, aber sie war hier und hat überall Unkraut verstreut. Mama ist krank und kann es nicht herausziehen. Was machen wir denn jetzt, fragte Lina? Wir müssen es herausziehen. Sie arbeiteten schon zwei Stunden im Garten aber das Unkraut wurde nicht weniger. Die Sonne brannte, Luca seine Finger waren schwarz und fürchterlich zerkratzt, er jammerte. Komm Lina wir gehen nach Frau Zwirbel und fragen was wir tun sollen. Sie liefen los und standen fünf Minuten später bei Frau Zwirbel vor der Haustür. Sie klingelten aber niemand öffnete. Lina lief um das Haus und rief, Luca komm schnell her. Inmitten eines Verkrauteten Gartens saß Frau Zwirbel auf der Bank und trank Kaffee. Frau Zwirbel, rief Luca entsetzt! Vor Schreck ließ Frau Zwirbel ihre Kaffeetasse fallen und starrte die beiden mit großen Augen an. Habt ihr mich jetzt erschreckt sagte sie und legte die Hand auf ihre Brust. Kommt her und setzt euch zu mir. Luca und Lina hüpften über das Unkraut und setzten sich auf die Bank. Mit großen Augen starrten sie in den mit Unkraut übersäten Garten. Nicht eine Blume war zu sehen. Was ist mit Ihrem Garten, stotterte Luca? Sie haben uns doch gesagt was man tun soll um immer schöne Blumen im Garten zu haben. Ja das stimmt, sagte Frau Zwirbel. Ich habe euch das gesagt, damit euch das nicht auch passiert wie mir. Ich hatte einen wunderschönen Blumengarten, doch eines Tages wurde ich sehr krank und musste lange das Bett hüten. Ich bin ganz allein und niemand konnte mir im Garten helfen. Eines Nachts konnte ich nicht schlafen und hörte im Garten ein kichern und rascheln. Als ich aus dem Fenster schaute da sah ich sie, eine leuchtend grüne Gestallt. Es war die Unkrauthexe. Sie fegte wie wild über meinen Garten und verstreute Unkraut. So wiederholte es sich jede Nacht. Ich konnte ja immer noch nicht raus weil ich noch zu schwach war. Das Unkraut vernichtete meine schönen Blumen und wurde immer höher und dichter. Dann geschah das Unglück. Es schlug gerade Mitternacht und in meinem Garten schien alles grellgrün zu leuchten. Direkt in der Mitte stand ein großer, dicker Mann mit ausgebreiteten Händen. Der Mann war in weiten grünen Kleidern gehüllt und auf seinem Kopf trug er eine Krone. Das war er. Das war der Unkrautkönig, flüsterte Frau Zwirbel. Ich drückte meine Nase gegen die Fensterscheibe um alles genau zu beobachten, was dort Ungewöhnliches geschah, erzählte Frau Zwirbel weiter. Viele kleine Unkrauthexen versammelten sich um ihn. Mit lauter brummiger Stimme sagte er, diesen Garten haben wir für uns erobert, ich danke euch meine lieben Kinder. Seid weiter so fleißig und geht jetzt wieder an die Arbeit. Ich werde mich in diesem Garten niederlassen. Alle Hexen verließen unauffällig den Garten, nur eine blieb stehen. Betzi was ist mit dir, sagte der Unkrautkönig sehr zärtlich. Ich will bei dir bleiben, piepste sie. Du bist mir die Liebste, aber das geht nicht das weist du doch. Betzi weinte und fast zerbrach es dem Unkrautkönig das Herz. Ich mache dir einen Vorschlag, such dir etwas in meiner Nähe und du kannst mich jeden Tag besuchen, sagte er und drückte sie an sich. Frau Zwirbel schnäuzte sich, dann schaute sie über ihren Garten und hebt die Hände. So sieht er nun immer noch so aus. Niemals habe ich es wieder geschafft den Garten zu entkrauten und darum habe ich euch gewarnt vor der Unkrauthexe. Luca schluckte und faste Lina an die Hand. Frau Zwirbel flüsterte er, ich wohne doch gleich um die Ecke und ich glaube Betzi hat sich in unserem Garten niedergelassen. Meine Mama ist auch krank und konnte den Garten nicht mehr machen und darum sind wir zu ihnen gekommen. Oh, sagte Frau Zwirbel nur und raufte sich das Haar. Am besten ihr versucht mit Betzi zu sprechen, vielleicht kann sie euch helfen. Betzi ist nicht wie die Anderen, ich habe sie viele Nächte beobachtet wenn sie ihren Vater besucht hat. Seid aber vorsichtig, Unkrauthexen sind nur in der Nacht zu sehen. Ihr dürft auch kein Licht machen, dann könnt ihr sie nicht sehen. Am besten ist es wenn der Mond scheint. Bei Mondlicht fühlen sie sich wohl und man kann sie gut sehen. Seid aber vorsichtig. Völlig aufgeregt liefen Luca und Lina nach Hause. Wenn meine Mama schläft, dann schleiche ich mich in den Garten, sagte Luca. Kommst du auch Lina? Ich traue mich nicht, antwortete sie. Na gut ich erzähle dir morgen alles. Gute Nacht Lina. Gute Nacht Luca. Es war schon kurz nach 23 Uhr als Luca sich aus dem Haus schlich. Ein wenig mulmig war ihm schon, aber er wollte seine Mama helfen, damit sie einen schönen Garten hat. Mama würde sicher weinen wenn wir nur Unkraut im Garten hätten, dachte er und stampfte vorsichtig den Gartenweg entlang. Er machte es sich unter einem Tannenbaum gemütlich und wartete. Hier konnte ihn niemand sehen. Der Mond war nicht ganz zu sehen, aber es war hell genug den Garten zu überblicken. Luca gähnte und streckte die Beine aus. Plötzlich raschelte es. Vorsichtig krabbelte er auf allen vieren aus seinem Versteck. Da war sie. Mitten in Mama ihrem Tulpenbeet stand ein kleines Mädchen. Es trug ein leuchtend grünes Kleid das im Mondlicht flatterte. Sie erhob sich in die Luft und flog kreuz und quer über den Garten. Aus einem kleinen Säcklein verstreute sie Staub. Ein leichter Windzug streifte Luca übers Gesicht. Nach einer Weile setzte sich das Mädchen auf die Wiese und weinte jämmerlich. Luca bekam vor Staunen seinen Mund nicht mehr zu. Er hatte überhaupt keine Angst. Das war doch nur ein kleines Mädchen. Langsam näherte er sich diesem Mädchen. Plötzlich knackte es unter seinem Fuß. Er war auf einen Zweig getreten. Er erschrak. Das Mädchen erschrak auch und sprang hoch. Luca stand aber schon neben ihr und fasste ihre Hand. Betzi, du bist doch Betzi, fragte Luca? Betzi starrte ihn an und versuchte ihren Arm wegzuziehen. Luca hielt so fest er konnte. Er war noch klein aber schon sehr stark und er wusste wenn er Betzi nicht festhielt dann war vielleicht alles umsonst und Betzi würde verschwinden. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich heiße Luca und wohne hier. Komm wir setzen uns in den Sandkasten und unterhalten uns. Betzi ging mit, versuchte aber immer wieder ihre Hand wegzuziehen, was ihr aber nicht gelang. Leise fragte sie, bist du ein Mensch. Na was denn sonst, antwortete Luca. Woher kennst du meinen Namen, fragte Betzi. Na weil das mein Garten ist und du darin wohnst. Nein, ich wohne unter dem Garten, im Schloss meiner Eltern. In einem richtigen Schloss, staunte Luca fragend. Ja aber ich muss jede Nacht im Garten arbeiten. Arbeiten nennst du das, schimpfte Luca empört. Ich muss immer Unkrautpulver streuen damit alles so grün wird wie bei uns im Schloss. Mein Papa hat es mir beigebracht und wenn ich meine Arbeit gut mache dann lobt er mich, denn er hat mich sehr lieb. Ja Betzi, aber bei uns im Garten ist euer Unkraut nicht schön. Das macht unsere schönen, bunten Blumen kaputt. Was sind denn bunte Blumen, fragte Betzi? Oh, du weist das ja nicht, du kommst ja nur im Dunkeln zu uns. Betzi das ist nicht richtig was du hier machst. So genau weiß ich das wirklich nicht, da hast du schon recht, Luca. Ich habe schön öfter in der Nacht gehört wenn Menschen weinen und über das viele Unkraut. Papa meint das wäre richtig wenn wir Unkrautstaub verstreuen. Such dir doch einen Rasen oder ein Wald aus, wo sowieso alles grün ist. Da stört es niemand, sagte Luca und schaute Betzi fragend an. Im Nachbarort ist ein kleines Wäldchen, da könnt ihr soviel Unkraut verstreuen wie ihr wollt. Betzi ich habe noch eine Bitte, könntest du deinen Papa nicht überreden mit in den Wald zu gehen. Frau Zwirbel ist sehr traurig, sie wünscht sich auch wieder bunte Blumen. Ich weiß, sagte Betzi, aber so einfach ist das nicht. Mein Papa ist der Unkrautkönig und sowie er merkt das in einem Garten etwas Unkraut steht versucht er ihn zu erobern und wir müssen ihm dabei helfen. Kann man da gar nichts machen, fragte Luca? Doch es gibt eine Lösung, aber das darf ich dir doch nicht verraten. Bitte Betzi sag es mir, dann brauchst du auch nicht mehr zu weinen und bist immer glücklich. Versprichst du es mir Luca! Ich verspreche es dir und werde dich auch nicht verraten. Also gut ich verrate es dir. Wenn man es schafft, an einem einzigen Tag, einen Garten vom Unkraut zu befreien, dann muss der Unkrautkönig diesen Garten verlassen und wir dürfen auch nicht mehr streuen. Betzi, liebe Betzi ich danke dir. Luca fasste Betzi an den Händen und tanzte mit ihr im Kreis herum. He das macht Spaß Luca, jubelte Betzi. Ich kann dir noch viele schöne Dinge erzählen. Du kannst mich ja ab und zu besuchen, aber kein Unkrautstaub mitbringen. Ich muss jetzt gehen. Tschüss, bis Morgen Betzi. Luca schlief zufrieden ein. Am anderen Tag im Kindergarten trommelte Luca die Kinder der großen Gruppe zusammen. Hört mal alle her. Frau Zwirbel braucht unsere Hilfe. Am Sonnabend treffen wir uns alle um 8 Uhr bei Frau Zwirbel. Wenn alle kommen und helfen, dann gibt es eine Menge Eis. Das war zwar etwas gelogen, aber Luca wird das mit Frau Zwirbel noch besprechen. Am Sonnabend trafen sich 20 Kinder bei Frau Zwirbel. Kommt alle herein sagte sie. Ich freue mich dass ihr helfen wollt. Wenn wir mit der Arbeit fertig sind gibt es eine Überraschung. Sie zwinkerte Luca zu und erklärte den Kindern was zu tun ist. Sie verteilten sich alle im Garten und los ging es. Es war nicht einfach, aber bis zum Mittag war der halbe Garten sauber. Frau Zwirbel rief, alle Hände waschen, jetzt gibt es für jeden eine große Portion Spagetti. Mein Lieblingsessen rief Lina und leckte mit der Zunge über ihren Mund. Frau Zwirbel hatte einen langen Tisch und Bänke aufgestellt. Nach einer Weile war es mucksmäuschenstill nur schmatzen und schlürfen war zu hören. Dann ging es weiter und nach drei anstrengenden Stunden war der Garten blitz sauber. Nicht ein Unkrauthalm war mehr zu sehen. Frau Zwirbel bedankte sich mit Tränen in den Augen. Plötzlich Bimmelte es auf der Straße und ein großer Eis wagen hielt vor der Tür. Frau Zwirbel rief, ihr dürft euch jetzt eine große Portion eures Lieblings Eis holen. Das war ein Jubel. An diesem Tag gingen die Kinder müde aber zufrieden nach Hause. Am Nächsten Morgen wachte Luca auf als es stürmisch an der Wohnungstür klingelte. Verschlafen wischte er sich über die Augen und öffnete. Meine Güte Luca du hast wohl noch geschlafen, rief Lina. Es ist fast Mittag. Mama, Mama rief Luca. Niemand antwortete. Luca lief in den Garten. Da hockte seine Mama und säuberte den Garten. Mama rief Luca wieder. Er lief zu ihr und umarmte sie. Man bin ich froh, du bist wieder gesund? Warte wir helfen dir, sagte er und blickte zu Lina. Diese nickte heftig. Zieh dir aber erst etwas an, sagte sie und lächelte. Der Garten war bald sauber und anschließend gab es Kuchen. Luca spielte noch mit Lina und nahm sich vor heute Nacht Betzi zu treffen. Es schlug gerade 23 Uhr und Luca war schon ganz aufgeregt. Endlich sah er sie. Betzi saß auf der Schaukel. Ich habe Papa den Wald gezeigt, flüsterte sie. Er war traurig und hat gesagt die Menschen sind wieder sehr fleißig hier. Natürlich weiß er nicht dass ich dahinter stecke. Aber im Wald ist es wunderschön Luca Papa gefällt es dort auch. Ich bin sehr froh Luca. Ich danke dir Betzi, sagte Luca und gab ihr einen Kuss. Du bist jetzt meine Freundin sagte er und wenn du Zeit hast kannst du mich immer besuchen. Klopfe einfach an mein Fenster wenn ich schlafe. Wenn du willst bringe ich Lina mal mit. Die ist schon ganz neugierig auf dich. Prima rief Betzi und klatschte in die Hände. Darf ich dann immer schaukeln, fragte sie. Na klar, du darfst auch mit meinen neuen Ball spielen, antwortete Luca stolz. Jetzt muss ich aber gehen ich bin mächtig müde und muss morgen pünktlich im Kindergarten sein. Vier Wochen später waren alle Kinder bei Frau Zwirbel zum Grillen im Garten eingeladen. Das war toll. Ein Zauberer war auch dort. Er zauberte viele Bonbons, Luftballons und für Frau Zwirbel ein Kaninchen. Oh ist das aber niedlich sagte Frau Zwirbel gerührt. Luca fasste Frau Zwirbel an die Hand und sagte, der Garten ist wieder schön bunt genau wie bei uns. Ja, sagte sie ich habe überall neue Blumen gepflanzt. Gegen Abend verabschiedeten sich alle und versprachen ab und zu Frau Zwirbel zu besuchen damit sie nicht immer so alleine ist. Schade dass deine Freundin Betzi nicht mit uns feiern konnte, flüsterte sie und drückte Luca an sich. Ja schade sagte er und ging nach Hause. Heute Abend will er sich mit Betzi treffen und ihr von der schönen Feier erzählen.

 

 

Wo ist unser Bobby

von Karin Lehmann

Als die Kinder am frühen Morgen auf den Schulhof kahmen, blieben sie vor Schreck wie angewurzelt stehen. Erst war es mucksmäuschenstill, dann aber schrien alle laut durcheinander. „Wo ist unser Bobby? Er steht nicht mehr auf seinem Platz. Man hat unseren Bobby gestohlen“, rief der kleine Fred und rückte seine Brille gerade, die ihm viel zu groß war und immer wieder von der Nase rutschte. Alle Kinder der ersten bis zur vierten Klasse standen jetzt auf den Schulhof und starrten auf die leere Stelle, wo einst ihr Maskottchen, ein Bär Namens Bobby, gestanden hatte. Lena aus der zweiten Klasse weinte leise. Wieder wurde es sehr laut. „Ruhe, Ruhe“, rief Frau Stuck, die Direktorin, die sich vor Schreck wieder etwas gefangen hatte. „Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat, aber wir wollen unseren Bobby wiederhaben. Er gehört hierher, in unsere Schule und auf seinen Platz!“ „Ja“, riefen die Kinder laut. „Wir werden die ganze Schule durchsuchen, sagte sie weiter. Ihr geht jetzt in eure Klassen. Eure Klassenlehrerin wird euch sagen wo ihr suchen sollt“.

Die Kinder liefen los. “Wer Bobby findet, meldet sich sofort bei mir“, rief Frau Stuck noch hinterher. Der Schulhof war plötzlich wie leergefegt. Nur die kleine Lilli, aus der ersten Klasse stand noch hinter der großen Kastanie. Ihre Hände tief in den Hosentaschen versteckt, scharrte sie gedankenverloren mit dem Fuß im Sand. Als würde sie die ganze Sache überhaupt nicht interessieren, blinzelte sie verlegen in die Sonne. „He Lilli“, sagte Frau Stuck erstaunt und fasste ihre Hand. „Geht es dir nicht gut?“ Lilli erschrak und wurde ganz rot. „Doch, doch“, stotterte sie und schüttelte heftig ihr blondes Lockenköpfchen. „Na, dann lauf schnell in deine Klasse und vergiss deinen Schulranzen nicht“. Sie lächelte und schüttelte den Kopf als sie sah, dass Lilli ganz verschreckt los rannte. „Irgendetwas stimmt mit dem Kind nicht“, dachte sie, als sie noch einmal die leere Stelle betrachtete, wo Bobby gestanden hat.

Zur gleichen Zeit durchsuchten die Kinder und Lehrer das gesamte Schulgebäude. Aber diese Suche blieb leider ergebnislos und alle versammelten sich nach einer Stunde wieder auf dem Schulhof. Frau Stuck sprach kurz mit den anderen Lehrern, dann hob sie ihre Hände und bat um Ruhe. „Leider haben wir Bobby nicht gefunden, sagte sie traurig. Es bleibt uns nichts anderes übrig, wir müssen die Polizei verständigen.“ Ein Raunen war zu hören. „Ja, das ist richtig“, nickte der lange, schlaksige Lucas, holte einen Zettel aus der Jackentasche und machte sich wichtigtuerisch einige Notizen. Die Direktorin benachrichtigte die Polizei. Die Kinder mussten unter großem Protest den Schulhof wieder verlassen. Es dauerte nicht lange und die Polizei kam mit lautem Tatü Tata angefahren. Alle Kinder drückten ihre Nasen an der Fensterscheibe breit und staunten. „Bor, gleich mit drei Autos kommen die angerauscht“, staunte Fred und putzte seine Brille, um nichts zu verpassen. „Ist doch klar sagte Lucas, unser Bobby ist doch was ganz Wertvolles“. Wieder machte er sich anscheinend wichtige Notizen und schaut erhaben in die Runde, aber niemand beachtet ihn. Alle starrten auf den Schulhof, denn dort war heute mächtig was los. Es wurde fotografiert, diskutiert, abgemessen und anschließend mit einem rotweißen Band alles abgesperrt. Ein dicker Polizist macht sich einige Notizen und wischt immer wieder über seine rote, knollige Nase. Ein kleiner Polizist läuft aufgeregt auf dem Schulhof hin und her. Er schüttelt immer wieder seinen Kopf und kann sich gar nicht beruhigen, dabei rauft er sich ständig sein Haar. Jetzt setzt er sich mit Frau Stuck auf eine Bank und diskutiert wild mit den Armen. Ich würde meine Schlappschleuder dagegen eintauschen, wenn ich wüsste was die da unten zu reden haben, sagte der dicke Bennie und biss genussvoll in eine Leberwurstschnitte. Plötzlich starrte Bennie zur Tafel. Dort standen Karlchen und Lieschen. Die zwei tuschelten schon eine ganze Weile miteinander. Aber wie sahen die beiden denn aus? Überall hatten sie weiße Flecken. Bennie ging zur Tafel. He Dicker, was starrste uns denn so an, fragte Karlchen? Bennie zeigte auf die Flecken und nuschelte mit vollem Mund, seid ihr etwa in ein Kalk fass gefallen? Lieschen bekam einen roten Kopf und stotterte, iss schön dein Brot und schieb ab Dicker. Wir haben schließlich wichtigere Sachen zu erledigen als uns mit dir zu unterhalten. Komm, sagte sie zu Karlchen, fasste seine Hand und zog ihn zur Toilette. Bennie starrte den beiden nach, schüttelte den Kopf und sagte, Fräulein Wichtig die dumme Ziege. Er ging wieder zum Fenster. Die kleine Lilli saß auf der Schulbank, wackelte mit den Beinen und lächelte. He Lilli, dich scheint das wohl überhaupt nicht zu interessieren, zwitscherte Pia und wischte über ihren neuen Rock. Ausgerechnet du hast doch am meisten bei Bobby gesessen. Na und, der wird schon wieder kommen, sagte Lilli ziemlich uninteressiert und drehte an ihren Haaren. Es klingelte zur Pause, aber niemand schien es zu hören. Frau Weiß betrat den Klassenraum. Sie sagte, ihr packt jetzt eure Ranzen und geht nach Hause. Bitte bleibt aber nicht auf dem Schulhof stehen. Ich möchte nicht, dass ihr die Polizei bei ihren Ermittlungen stört. Ein Murren ging durch den Raum. Oh Manometer, immer wenn es interessant wird, müssen wir gehen, maulte Jonas. Plötzlich rief jemand laut um Hilfe. Was ist denn jetzt schon wieder passiert, rief Frau Weiß. Alle Kinder stürmten die Treppe hinunter und schon standen sie wieder auf dem Schulhof. Frau Weiß schlug ihre Hände vor das Gesicht und rief, du meine Güte auch das noch. Der dicke Polizist stand mit seinem Fuß in einem Loch, aus der eine weiße Masse heraus quoll. Er schrie immer noch, ruderte mit seinen Händen und pardauz saß er auf seinem breiten Hintern. Er strampelte mit den Beinen, sodass die weiße Masse in sein Hosenbein lief. Jetzt kam auch Herr Wuschel, der Hausmeister, angelaufen. Prustend und mit hochrotem Kopf, versuchte er den Polizisten hoch zu ziehen. Endlich hatte er es geschafft. Der Hausmeister bückte sich und untersuchte die weiße Masse. Das ist Gips, sagte er laut. Wer war das, rief Frau Stuck? Karlchen meldete sich zögernd. Karlchen du, was soll das denn? Ich, ich auch rief Lieschen und stellte sich neben Karlchen. Der fing an zu schluchzen. Wir wollten doch nur ermitteln und dann hätten wir ihnen gesagt, wer unseren Bobby gestohlen hat. Da war doch ein riesiger Fußabdruck, sagte Lieschen. Sie schaute grimmig zum dicken Polizisten und sagte verärgert jetzt aber nicht mehr, der hat ja alles kaputt gemacht. Ihr entschuldigt euch sofort bei der Polizei, sagte Frau Stuck und wir reden morgen darüber. Naja, ist doch noch einmal glimpflich verlaufen, sagte der dicke Polizist etwas versöhnlicher, nachdem sich die beiden entschuldigt hatten und versprechen mussten, so etwas nie wieder zu machen. Wenn ihr alt genug seid, könnt ihr ja bei uns anfangen, zwinkerte ein anderer Polizist. Oh wirklich, fragte Lieschen erstaunt. So und jetzt verlassen alle den Schulhof und gehen nach Hause, rief Frau Weiß.

Die kleine Lili schnappte ihren Ranzen und lief so schnell sie konnte nach Hause. Ihre Eltern waren noch auf der Arbeit. In ihrem Zimmer stellte sie den Schulranzen in die Ecke und ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Bor, war das heute aufregend. Dann schaute sie sich um. „Bobby, Bobby wo bist du“ rief sie immer wieder. Niemand antwortete. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte bitterlich.

Jeden Abend, wenn Lilli im Bett lag, kam Bobby aus der Schule zu Besuch. Er verwandelte sich in einen kleinen Plüschbären, setzte sich an Lillis Bett und erzählte ihr eine Geschichte. Wenn Lilli eingeschlafen war, verschwand er jedesmal wieder. Nur heute Morgen, als Lilli aufwachte, saß er noch in ihrem Sessel. „Bobby“, rief Lilli erschrocken. Bobby erwachte und rieb sich verschlafen seine Knopfaugen. „Was machst du denn noch hier? Du musst doch längst in der Schule sein“. „Geh schon mal vor“ sagte Bobby, „ich komme nach, hab nur noch einen wichtigen Weg“. Und das war es, Bobby kam aber nicht zur Schule.
Lilli weinte immer noch, als sie plötzlich bemerkte, dass ihr jemand übers Haar strich. Es war Mina, ihre Lieblingspuppe. “Weine nicht, Bobby hat gesagt er kommt gleich wieder“. Eigentlich müsste er schon hier sein, aber ich glaube, du solltest mal nachschauen, wo er bleibt. Wie Nachschauen? Wo denn? Wo ist Bobby, jammerte Lilli ganz verzweifelt. Gestern, als du schon geschlafen hast, erzählte er mir, dass er einen großen Wunsch hat. Jeden Tag wenn er auf dem Schulhof steht, hörte er wie sich die Kinder über ihren neuen Schulgarten unterhalten, wie schön es dort wäre und das neue Gerätehau ist so toll geworden. Naja und das wollte er unbedingt auch sehen. Er wollte gestern Abend noch hin, aber weil wir uns noch so lange unterhalten haben, ist er wohl vor Müdigkeit eingeschlafen. Er war auch sehr erschrocken heute Morgen, aber er muss unbedingt noch einen kurzen Blick in den Garten werfen, sagte er und dann würde er sofort zur Schule gehen. „Ja, aber da ist er nicht“, rief Lilli verzweifelt. „Die Polizei ist sogar schon dort. Oh, was wollen wir denn jetzt machen?“, fragte Mina ängstlich. „Die werden uns doch nicht verhaften? Ich gehe natürlich sofort zum Schulgarten und schaue nach“. „Ich will mit“, rief Mina. „Du wartest hier und passt auf, falls Bobby noch kommt. Ich bin gleich zurück“. Schon sauste sie aus der Haustür, die krachend ins Schloss fiel. Sie rannte wie ein Wiesel und erreichte japsend den Schulgarten. Aber die Tür war verschlossen. Kurz schaute sie sich um und schwupp kletterte sie auf die Mauer. Oh, ist das aber hoch, dachte Lilli, aber sie wollte ja Bobby suchen und sprang tapfer hinunter. Doch in diesem Augenblick fiel ein morscher Stein aus der Mauer und sie rutschte ab. Sie landete direkt auf ihrem Kopf, aber zum Glück auf dem weichen Rasen. Der Kopf schmerzte, als sie mir ihrer Hand über eine dicke Beule strich. Au, jammerte sie. Etwas taumelig erhob sie sich. Ich muss Bobby finden, dachte sie und stolperte durch den Garten. Aber weit und breit war niemand zu sehen. „Bobby, Bobby“ rief sie immer wieder verzweifelt. Nichts! Doch, was war das? Da rief jemand ihren Namen. „Bobby, wo bist du?“ Wieder hörte sie ganz leise ihren Namen. Es kam aus dem Gerätehaus. Sie schlich sich näher. Jetzt hörte sie es deutlicher. „Bobby bist du es?“ „Ja, ich bin es dein Bobby“. Die Tür, jemand hat die Tür zugeschlossen. Tatsächlich, da steckte sogar noch der Schlüssel. Warte, ich bin gleich bei dir. Lillis Hände zitterten vor Erschöpfung, als sie die Tür aufschloss und öffnete. Es war sehr dunkel und sie konnte nur Umrisse erkennen. „Bobby“, flüsterte sie. „Ja hier“, sagte Bobby erleichtert, „hier bin ich“. Sie machte vorsichtig ein paar Schritte ins Gerätehaus. „Bobby, komm her“, sagte sie noch, da knallte plötzlich die Tür zu. Dann wurde es dunkel und Lilli schlug wie wild um sich. „Bobby, Bobby!“ schrie sie immerzu. „Lilli, Lilli, hallo Lilli“, jemand schüttelte sie sanft hin und her. Lilli öffnete die Augen. „Wo bin ich? Mama, was machst du denn hier?“ Mama strich ihr sanft übers Gesicht. „Du hast geträumt“, sagte sie und drückte Lilli an sich. „Oh, mein Kopf tut weh“, jammerte Lilli. Du bist gestern auf dem Schulhof gestolpert und mit dem Kopf direkt gegen Bobby gefallen. „Waaaas, das kann doch nicht sein, ich muss sofort zur Schule“, sagte Lilli aufgeregt. „Du musst noch etwas liegen bleiben“, erwiderte Mama. „Nein Mama, dass geht nicht“. Schnell schlüpfte sie in ihre Sachen und rannte zur Schule. Alles war wie immer. Bobby stand an seinem Platz und die Kinder liefen lärmend über den Schulhof. Langsam ging Lilli nach Bobby. Sie hatte das Gefühl, als lächelte er ihr zu. „Na Lilli, geht es dir besser?“, fragte Frau Weiß. „Geht so“ antwortete Lilli. Dann rief Frau Weiß: „Hört mal alle her. Heute Nacht muss sich ein Tier in unserem Schulgarten verirrt haben und hat dabei einige Beete verwühlt. Wer kommt am Nachmittag und hilft aufräumen?“ Fast alle meldeten sich, auch Lilli hob zaghaft die Hand. „Du gehst schön nach Hause und ruhst dich noch etwas aus“ sagte Frau Weiß, blinzelte ihr seltsam zu und ging. „Ja“, antwortete sie und schaute fragend auf Bobby. „Na dann, bis heute Abend Bobby“, flüsterte sie und ging nach Hause.

Die Geschichte vom vergessenen Weihnachtsfest

von Karin Lehmann

Dort wo der Wald am tiefsten war steht ein kleines Holzhäuschen, zwischen vier mächtigen Tannen. Mit dickem Efeu umwuchert war das Häuschen von den anderen Bäumen kaum zu unterscheiden. Am Eingang steht ein kleiner Rosenstamm. Wenn er blühte leuchtete alles in einem zarten Rosa. In dem Häuschen wohnte der alte Samuel mit seiner Enkelin Lara. In diesem Jahr war der Winter besonders kalt. Alles war tief verschneit und durch die Bäume fegte ein eisiger Wind. Dicke Eiszapfen hingen vor dem Fenster. Die Fensterscheiben waren von funkelnden Eisblumen fast zugewachsen. Im Holzhaus knisterte der Kamin und eine angenehme Wärme verbreitete sich im Raum. Der alte Samuel saß in seinem knorrigen Schaukelstuhl mit einem dicken Märchenbuch in der Hand. Ab und zu zog er an seiner selbst geschnitzten Pfeife. Auf einem Bärenfell vor dem Kamin hatte es sich Lara bequem gemacht. Mit angewinkelten Beinen, die Arme unter den Kopf verschränkt hörte sie dem Großvater aufmerksam zu. Heute hatte Lara Geburtstag. Sie ist jetzt neun Jahre alt. Immer wenn ein besonderer Tag war, las Samuel seiner Enkelin aus diesem dicken verschlissenen Märchenbuch vor. Das war aber nicht immer so! Vor zwei Jahren hatte Lara dieses Märchenbuch, im Schuppen, in einer alten Truhe gefunden. Als sie mit diesem Buch unter den Arm vor ihren Großvater stand, wurde dieser sehr traurig. Er nahm ihr das Buch aus der Hand legte es in eine Schublade und verschloss diese. Dann verließ er den Raum. Lara war sehr erschrocken, aber sie sagte kein Wort denn sie sah dass der Großvater Tränen in seinen Augen hatte. Er war manchmal sehr traurig, aber sie hatte ihn noch niemals weinen gesehen. Die Zeit verging und das Buch schien vergessen. Lara hatte es aber nie vergessen. Eines Tages fing sie an nach dem Buch zu fragen. Immer wieder wenn der Großvater gut gelaunt war fragte sie ihn. Er schüttelte nur seinen grauen Kopf und wurde wieder sehr traurig.  Lara verstand das einfach nicht und redete nicht mehr mit ihren Großvater. Er wunderte sich über die Veränderung seiner Enkeltochter. Eines Tages fragte er warum sie so still geworden ist. Sie schaute ihn lange an, dann sagte sie. Großvater in ein paar Tagen habe ich Geburtstag und ich wünsche mir vom ganzen Herzen, das du mir aus diesem Märchenbuch vorließt. Dann wurde es still im Raum. Langsam, mit gebeugtem Rücken, schlurfte der Großvater zum Schrank und holte das Buch aus der Schublade. Er legte es vor sich auf den Tisch und setzte sich ächzend auf die Bank. Lange starrte er auf das Buch. Lara kletterte auf seinen Schoß. Leise fing er an zu sprechen. Dieses Buch gehörte meiner Tochter, deine Mutter. Als sie noch klein war musste ich ihr immer aus diesem Buch vorlesen. Ihr Lieblingsmärchen war „Lara die Rosenprinzessin“. So heiße ich, rief Lara! Ja, ihr hat dieses Märchen so sehr gefallen, das sie dich später Lara nannte. Wo ist meine Mama, fragte Lara? Im Himmel, antwortete der Großvater und wischte sich über die Augen. Eine Träne tropfte auf Laras kleine Hand. Sie streicht ihren Großvater über die stachlige Wange und lehnte sich sanft gegen seine starke Brust. Sie kannte ihre Mutter nicht. Für Lara gab es nur den Großvater. Als das Unglück geschah war sie noch sehr klein. Lara fragte nicht weiter, sie bettelte nur ganz aufgeregt und mit roten Wangen, ließ Großvater, bitte ließ mir vor. Er öffnete das Buch. Ein altes Bild fiel heraus. Das Bild zeigte ein kleines Mädchen mit einem Rosenstrauß in der Hand. Schnell steckte der Großvater das Bild in seine Jackentasche. Er schnäuzte sich und fing an zu lesen. Jetzt ist Lara schon neun Jahre alt und immer noch musste der Großvater ihr aus diesem Buch vorlesen. Doch danach legte er das Buch in die Schublade und verschloss sie wieder. Vor einiger Zeit machte ihr das noch nichts aus, aber jetzt konnte sie schon ein wenig lesen. Sie würde sehr gern selber in diesem Buch blättern. Großvater brachte ihr alles bei was sie wissen musste. Sie wurde neugierig und beobachtete den Großvater. Eines Tages sah sie dass der Großvater den Schlüssel hinter eine Stufe der Holztreppe schob. Dann trug es sich zu dass Samuel für einige Stunden die Hütte verließ um Nahrungsmittel zu besorgen. Kaum war Lara allein, da holte sie sich den Schlüssel. Das Schloss an der Schublade hakte ein wenig, doch dann sprang es auf. Dort lag das geliebte Buch. Sie nahm es heraus. Unter dem Buch lagen noch einige Bilder. Ihr Blick fiel auf eine rote Samtschachtel. Vorsichtig öffnete sie die Schachtel. Eine silberne Kette mit einem blauen Stein lag darin. Jedes mal wenn sie die Schachtel bewegte funkelte der Stein wie ein kleiner Stern. So ein Funkeln hatte sie schon einmal gesehen. Eine Frau hob sie auf den Arm, an ihrem Hals funkelte so ein Stein. Sie klappte die Schachtel zu, legte sie zurück in die Schublade. Mit dem Buch in ihre Hand setzte sie sich auf das Bärenfell und begann zu blättern. Das wiederholte sie jedes Mal wenn Samuel die Hütte verließ. So vergingen die kalten Wintertage und der Frühling hielt Einzug ins Land. Endlich konnte Lara wieder vor der Tür und im Freien spielen. Der Großvater wollte nicht dass sie sich von der Hütte entfernte. Lara wurde aber immer neugieriger. Sie wollte wissen wohin die Tiere liefen, die sie immer fütterte. Wohin die Vögel flogen. Sie hatte jetzt viele Fragen. Der Großvater redete nicht viel über solche Sachen und wich ihr oft aus Eines Tages als der Großvater zum Holz schlagen ging, packte sie ihren kleinen Rucksack. Eine Flasche Wasser, ein paar Kekse und ihren geliebten Teddy, Pongo. Sie wollte nur ein wenig die Gegend erkunden. Niemals würde sie ihren Großvater allein lassen. Sie hatte nur ihn, andere Menschen kannte sie nicht. Bevor sie sich auf den Weg machte, steckte sie noch ein Stück Kreide in die Jackentasche. Dann lief sie los. Die Sonne funkelte durch die Bäume und es war angenehm warm. Sie hüpfte vergnügt von einen Bein auf das andere und trällerte ein Lied. An jeden dritten Baum, holte sie die Kreide aus der Tasche und zeichnete ein Kreuz an den Baumstamm, damit sie den Weg zurück findet. Es war wunderschön im Wald. Plötzlich verharrte sie. Was war das? Ein kleines Eichhörnchen. Hallo Eichhörnchen ich bin Lara. Ich wollte dich besuchen und sehen wo du wohnst! Schwups war das Eichhörnchen im Geäst verschwunden. Schön dass es dir gut geht, sagte Lara. Ich muss weiter. Sie machte ein Kreuz an den Baumstamm und hüpfte weiter. Da stolperte sie über eine Wurzel und landete im weichen Moos. Ihr war nichts passiert. Langsam drehte sie sich auf den Rücken und blinzelte in die Sonne. Hab ich ein Hunger sagte sie. Sie aß ein Keks und trank einen Schluck Wasser. Das tut gut. Da hörte sie lautes Zwitschern. Neben ihr im Busch saßen mindestens zwanzig Vögel. War das ein Spektakel! Hallo ihr Vögel ich bin hier um euch zu besuchen! Warum macht ihr denn so ein Krach? Habt ihr vielleicht Hunger? Lara holte ein Keks aus ihren Rucksack und zerbröselte ihn auf den Waldweg. Aber die Vögel kamen nicht herunter. Sie erhob sich und ging ein Stück weiter. Dann versteckte sie sich hinter einen Strauch und siehe da alle Vögel stürzten sich auf den Keks. Ich freue mich dass es euch schmeckt, flüsterte sie. Sie machte ein Kreuz an den nächsten Baum und schlich sich vergnügt weiter. Sie wollte die Vögel nicht erschrecken. Großvater hatte ihr alles über die Tiere des Waldes erzählt. Eine Weile war sie schon unterwegs als sich der Wald zu öffnen schien. Was war das? Eine Traumlandschaft. Ein kleiner See und dahinter ein Berg wo das Wasser von oben in den See stürzte. Rings um den See lagen große Steine. Dazwischen zogen sich satte grüne Wiesen mit bunten Blumen. Lara lief zum See. Dabei scheuchte sie eine ganze Schar von Schmetterlingen vor sich her. Hallo ihr Schmetterlinge, ich bin es, Lara! Ich wollte euch nicht erschrecken. Bitte beruhigt euch wieder. Jetzt stand sie direkt am See, auf einen großen Stein. Schnell zog sie Schuhe und Strümpfe aus, setzte sich auf den Stein und tauchte ihre Beine vorsichtig in das Wasser. Hui, ist das kalt, rief sie laut. Schnell zog sie die Füße aus dem Wasser, griff nach ihren Sachen und hüpfte auf den Steinen entlang bis zum Wasserfall. Neben den Wasserfall war eine kleine Ausbuchtung im Felsen. Dort machte sie es sich bequem. Auf dem weichen Rasen legte sie sich, die Arme und Beine ausgestreckt auf den Rücken und beobachtete das Wasser, wie es den Berg herunterstürzte. Ein Wassertropfen fiel auf ihre Nase. Sie schüttelte sich und rief, ist das schön hier. Eine Weile blieb sie noch regungslos sitzen, doch dann sprang sie hoch. Sie musste zurück nach Hause, noch bevor ihr Großvater kam. Eilig machte sie sich auf den Heimweg. Die Kreuze an den Baumstämmen zeigten ihr den Heimweg an. Als sie wieder Zuhause war, deckte sie noch schnell den Tisch und wartete auf ihren Großvater. Als er kam begrüßte sie ihn stürmisch. Der Großvater wunderte sich warum sie so fröhlich im Zimmer hin und her sprang. Er fragte, hattest du einen schönen Tag Lara. Ja Großvater, es war wunderschön, sagte sie. Das freut mich, Kleines, sagte er und strich ihr sanft übers Haar. Als sie in ihrem Bett lag konnte sie lange nicht einschlafen. Von diesem Tag an, lief sie jedes Mal wenn der Großvater die Hütte verließ, zu ihrem Lieblingsplatz am See. Eines Tages, als sie wieder mal am Wasserfall war, hörte sie Hundegebell. Was ist das, flüsterte sie leise. Es kam immer näher. Schnell versteckte sie sich in einem Gebüsch. Sie hatte große Angst. Es war plötzlich still. Da stupste ihr etwas Nasses am Arm. Sie drehte sich zur Seite. Vor ihr stand ein großer schwarzer Hund und leckte ihre Hand. Sie schrie laut auf und schlägt ihre Hände vor das Gesicht. Es raschelte, dann hörte sie wie jemand sagt, hab keine Angst Pongo tut dir nichts. Langsam öffnete sie ihre Augen. Dicht vor ihr sieht sie ein grinsendes Gesicht mit vielen Sommersprossen. Ein großer Schlapphut bedeckte kaum sein widerspenstiges blondes Haar. Wer bist du, fragte Lara erschrocken. Ich bin Elias und wie ist dein Name und was machst du hier so alleine, fragte er weiter. Ich heiße Lara und das ist mein Lieblingsplatz, sagte sie und blickte ängstlich auf Pongo der es sich neben Elias bequem gemacht hat. Das ist auch mein Lieblingsplatz, sagte Elias und setzte sich neben Lara. Plötzlich brummte es. Elias sprang entsetzt hoch. Du hast dich auf meinen Teddy gesetzt, sagte Lara schüchtern. Er heißt auch Pongo wie dein Hund. He das ist ja toll, rief Elias! Sie redeten noch lange miteinander. Lara erfuhr das Elias 12 Jahre alt ist und mit seinen Eltern ganz in der Nähe, in einem kleinen Dorf wohnte. Es war schon sehr spät als sie sich voneinander verabschiedeten. Seit diesem Tag trafen sie sich so oft sie konnten an ihren Lieblingsplatz. Der Großvater wunderte sich über seine Enkeltochter. Sie war so fröhlich und aufgekratzt. Er überlegte nicht lange. Er war zufrieden wenn es seinem Kind gut ging. Die Tage wurden wieder kürzer und der Herbst meldete sich und hielt Einzug ins Land. Eines Tages wartete Lara länger als üblich auf Elias. Es war windig und sehr kühl. Lara zog ihre Jacke enger um ihren Körper und zog die Kapuze über den Kopf. Endlich kam Elias und entschuldigte sich bei Lara. Ich habe mich gleich nach einen Weihnachtsbaum umgesehen, sagte er. Einen Weihnachtsbaum, was ist denn das lachte Lara. Elias schaute Lara an und sagte verwundert, na einen Weihnachtsbaum zu Weihnachten. Er schüttelte den Kopf und dachte Lara würde ihn foppen wollen. Ich weiß nicht was du meinst sagte Lara leise. Elias musste sich setzen. Aber Lara, jedes Kind weiß was ein Weihnachtsbaum ist und was Weihnachten zu bedeuten hat! Lara schüttelte den Kopf und aus ihren Augen kullerten dicke Tränen. Komm mal zu mir, sagte Elias und nahm sie in den Arm. Er konnte es nicht verstehen. Sie kuschelten sich an ihren Lieblingsplatz eng zusammen. Elias begann zu erzählen über Weihnachten, über Familie und Geschenke. Immer wieder schaute er in die weit aufgerissenen Augen seiner Freundin Lara und immer wieder musste er entsetzt den Kopf schütteln. Als er alles erzählt hatte war es eine Weile still. Dann sagte Lara, Großvater hat mir viele Märchen erzählt, aber dein Märchen war am schönsten. Lara, liebe kleine Lara sagte Elias und strich ihr sanft übers Haar. Das ist kein Märchen. Jedes mal wenn sie sich jetzt trafen musste Elias über Weihnachten erzählen. Lara konnte nicht genug bekommen. Es wurde jetzt immer kälter und die Tage kürzer. Eines Tages sagte Elias zu Lara, heute sehen wir uns das letzte Mal. Bald wird der Wald zuschneien. Morgen hole ich mit meinem Vater einen Weihnachtsbaum. Ich habe mir schon eine schöne Tanne ausgesucht. Komm mit ich zeige sie dir. Er sprang vergnügt auf und Lara hüpfte hinterher. Es war eine wunderschöne Tanne. Lara staunte und bekam ihren Mund nicht mehr zu. Ich möchte auch einen Weihnachtsbaum, sagte sie leise. Sie nahm sich vor mit ihrem Großvater darüber zu sprechen. Als sie sich an diesem Tag verabschiedeten, gaben sich beide ein Versprechen. Sobald es wieder wärmer wird und der Frühling sich ankündigt, wollen sie sich an ihrem Lieblingsplatz treffen. Elias nahm Lara in den Arm und sagte, ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest. Sie winkten sich noch einmal zu und liefen nach Hause. Schon am nächsten Tag kündigten sich die ersten Schneeflocken an. Der alte Samuel war jetzt jeden Tag unterwegs um Holz für den Winter heranzuschaffen. Kaum hatte er die Hütte verlassen, als auch Sara sich auf den Weg machte. Sie wollte Elias noch einmal sehen bevor die lange Winterzeit Einzug ins Land hielt. Vor allen wollte sie Elias ein kleines Geschenk überreichen, was sie liebevoll eingewickelt hatte. Als sie an ihren Lieblingsplatz angekommen war, kroch sie hinter eine Hecke und wartete. Es war schon sehr kalt und Lara fror jämmerlich. Sie trug nur ihre dünne Jacke. Elias kam und kam nicht. Elias wollte doch heute mit seinen Papa den Tannenbaum holen. Sie lief zu der Stelle wo die Tanne war die sich Elias ausgesucht hatte. Dort war niemand. Sie lehnte sich an einen Baum. Der Wind fegte durch den Wald. Sara bibberte. Ihre Hände und Füße waren eiskalt. Es fing wieder an zu schneien. Sie wollte schon gehen als es mächtig im Geäst knackte. Ein großer Vogel flog über ihren Kopf. Vor lauter Schreck wollte sie davonlaufen aber sie stolperte über eine Wurzel und überschlug sich. Dabei fiel ihr das Geschenk für Elias aus der Jackentasche. Mit dem Kopf stieß sie gegen einen Stein. Ihr wurde schwarz vor den Augen. So lag sie einige Zeit ohne Bewusstsein auf der kalten Erde. Als sie zu sich kam hatte sie starke Kopfschmerzen und Blut rann ihr übers Gesicht. Halb benommen schwankte sie nach Hause. Der Großvater war gerade heim gekommen als er Lara zwischen den Bäumen kommen sah. Schnell lief er ihr entgegen. Er nahm sie auf den Arm und trug sie in die warme Hütte. Lara hatte wieder das Bewusstsein verloren. Lara wurde sehr krank. Der Großvater kämpfte Wochenlang um ihr Leben. Tagelang fantasierte sie im Fieber. Eine schwere Gehirnerschütterung ließ sie kaum zu sich kommen. Endlich als sie sich wieder etwas erholt hatte war es tiefer Winter.  Die Hütte war zugeschneit und Eisblumen glitzerten am Fenster. Der Großvater saß neben ihr und streichelte ihr über das Haar. Sie schaute ihn fragend an. Die großen Augen wirkten noch größer in ihrem eingefallenen, blassen Gesicht. Großvater warum weinst du, fragte sie? Er nahm sie in die Arme und sagte, jetzt wird alles gut! Plötzlich, es war wie ein Wunder, entdeckte sie neben den Kamin einen Weihnachtsbaum. Bunte Lichter glänzten wie Sterne und der ganze Raum schien zu glitzern. Lara schloss ihre Augen und mit einem Lächeln schlief sie ein. Jetzt erholte sich Lara sehr schnell. Eines Tages als sie mit ihrem Großvater vor dem Weihnachtsbaum saß holte sie ein Blatt Papier hervor. Sie gab es ihren Großvater und sagte, das ist ein Geschenk für dich zu Weihnachten. Ich habe diesen Baum ganz alleine gemalt und er sieht genau so aus wie unser Weihnachtsbaum. Ich weiß antwortete Samuel leise. Als du krank warst hast du im Fieber so oft davon erzählt. Ich habe so viel falsch gemacht, aber ich habe es doch nur gut gemeint, bitte verzeih mir, sagte Samuel! Dann erzählte Lara von Elias und ihrem Lieblingsplatz. Immer wieder schüttelte der Großvater seinen grauen Kopf. Er fasste Laras kleine Hand und sagte. Wenn es wieder Frühling wird gehen wir zusammen zu diesem Platz. Ich freue mich schon darauf deinen Freund Elias kennen zu lernen. Lara jauchzte und fiel ihren Großvater in die Arme. Doch es sollte Alles ganz anders kommen. Es war am ersten Weihnachtstag als Samuel wieder aus dem Märchenbuch vorlass, klopfte es an die Tür. Beide erschraken fürchterlich, denn es hatte sich noch niemand hierher verirrt. Samuel öffnete die Tür. Dann wich er entsetzt zurück. Lara schaute ihren Großvater an. Er stand unbeweglich und blass, mit aufgerissenem Mund im Zimmer und rührte sich nicht. Sie ging zu ihm und fasste seine Hand. Großvater rief sie und rüttelte ihn! Dann entdeckte sie Elias. Er stand mit einem fremden Mann vor der Tür. Elias, rief sie! Doch ehe sich alle versahen, lagen sich der Großvater und der fremde Mann in den Armen. Franzel, schluchzte der Großvater, du lebst! Es war still im Raum. Dann wandte sich der fremde Mann zu Lara. Er schaute ihr lange ins Gesicht. Dann nahm er sie auf den Arm. Er drückte sie an sich und weinte. Lara wusste nicht wie ihr geschah. Großvater rief sie und suchte sein Gesicht, aber auch er weinte. Lara verstand das nicht. Als der Mann sie wieder auf den Fußboden setzte und über die Wange streichelte, ging sie schnell zu Elias und fasste seine Hand. Der Großvater schloss die Tür und sagte schluchzend Lara komm zu mir. Alle setzten sich an den großen Holztisch. Dann sagte Samuel, Lara das ist dein Vater! Lara schmiegte sich noch enger an ihren Großvater und starrte den fremden Mann mit ihren großen Augen an. Sie kannte ihren Vater nicht. Dann begann Franzel zu erzählen. Als deine Tochter, meine Frau, den Weihnachtsbaum schmückte und ihr bei der alten Frau im Nachbardorf ward, wurde ich noch einmal zu einer Patientin gerufen. Als ich dann zurückkam stand unser Haus schon in Flammen und es war nichts mehr zu retten. Ich musste annehmen dass ihr allen in den Flammen umgekommen seid und wurde mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht. Als ich wieder einigermaßen zu Kräften gekommen bin, habe ich die Frau im Nachbardorf gesucht in der Hoffnung, dass ihr überlebt habt. Die Frau war aber verstorben und niemand konnte mir etwas sagen. Eine bekannte Familie hat mich dann aufgenommen. Vor ein paar Jahren habe ich dann Elias Mutter kennen gelernt und seit dem bin ich für Elias wie der eigene Vater. Er hatte vorher nie einen Vater. Franzel fasste die Hände von Lara und Samuel. Elias sagte kein Wort aber seine Augen zeigten ein Lächeln. Jetzt fing Samuel leise zu reden an. Als ich damals mit Lara vor unser brennendes Haus stand hat man erzählt dass ihr verbrannt seid. Ich habe Lara genommen und ein paar Habseligkeiten aus dem Schuppen und bin mit ihr hierher in dieses Haus gegangen. Diese Hütte gehörte meinem Urgroßvater. Das hat niemand gewusst und ich habe den Ort unserer Herkunft gemieden. Ich hätte es nicht ertragen die Erinnerung hätte mich kaputtgemacht. Das einzige was mir noch lebenswert erschien war Lara. Aber wieso habt ihr uns hier gefunden? Franzel sagte, gestern fand ich bei Elias eine Kette. Ich kannte diese silberne Kette mit dem blauen Stein. Elias erzählte mir dann, er hat ein Päckchen gefunden, als wir den Weihnachtsbaum geschlagen haben. Als er die Kette fand mit einem Zettel von seiner Freundin Lara, hat er nichts gesagt. Aber gestern hat er uns alles erzählt und als ich den Namen Lara hörte haben wir uns sofort auf den Weg gemacht. Ich habe so gehofft und auf den ganzen Weg hier her nur gebetet. Im Zimmer war es wieder sehr still. Man hörte nur das Knacken des Feuers im Kamin und ab und zu ein Schnäuzen von Samuel. Es raschelte und Elias holte die Kette aus seiner Jackentasche und legte sie mitten auf den Tisch. Samuel nahm die Kette und sagte zu Lara, diese Kette hat deine Mutter getragen. Sie hat sie von ihrer Mutter, meiner Frau, zu Weihnachten bekommen als sie noch ganz klein war. Sie hat diese Kette immer getragen. Als du noch ganz klein warst Lara, da hast du immer an dieser Kette gezogen, wenn dich deine Mutter auf ihrem Arm trug. Sie hat sie dann in eine Blechschachtel zu ihrem Lieblingsbuch gelegt und gesagt, wenn Lara alt genug ist soll sie alles bekommen. Ich habe damals diese Blechschachtel im Schuppen in einer alten Truhe gefunden und sie mitgenommen, aber ich konnte es mir niemals ansehen. Elias sagte, Lara diese Kette gehört zu dir, ich möchte dass du sie trägst. Samuel legte Lara die Kette um den Hals und Lara schaute von Einem zum Anderen, sie hatte immer noch nicht richtig begriffen was heute geschehen war. Da sagte Franzel, bitte Samuel kommt mit zu uns, wir wollen Weihnachten gemeinsam feiern. Samuel überlegte nicht lange, er packte ein paar Sachen zusammen und dann fuhren sie los. Elias Mutti wartete schon voller Ungeduld. Als sie ihren Mann mit Lara an der Hand sah kullerten ihr die Tränen übers Gesicht. Es wurde ein wunderschönes Weihnachtsfest. Lara kam aus dem Staunen gar nicht heraus. Es war ihr erstes Weihnachtsfest. Sie sangen Weihnachtslieder, aßen Plätzchen, Bratäpfel und Nüsse. Anschließend gingen sie gemeinsam in die Kirche. Es war einfach unbeschreiblich schön. Franzel entfernte sich keinen Augenblick von seiner Tochter. Immer wieder wurden Elias und Lara von Ihm in den Arm genommen. Auch zu Elias Mama fand Lara schnell Vertrauen. Franzel machte den Vorschlag, das Samuel und Lara zu ihnen ziehen. Das Haus ist groß genug und wir könnten immer zusammen sein. Alle waren damit einverstanden, aber die Ferien und das nächste Weihnachtsfest sollte in der Hütte gefeiert werden. Elias Mutti hatte noch eine Überraschung, im nächsten Jahr hatte sich noch einmal Familiennachwuchs angekündigt. Das war ein Jubel. Lara fasste Elias an die Hand und flüsterte, ich wünsche mir das Weihnachten immer so schön ist. Es ist immer so schön kleine Lara, glaube mir sagte er und gab ihr einen Kuss. Samuel steckte sich seine Pfeife an und war glücklich und zufrieden, endlich hatte er wieder eine Familie und konnte das Weihnachtsfest feiern. Er schlurfte zufrieden vor die Haustür, setzte sich auf die Bank und schaute in den Himmel

 

 

 

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